Dieses Mantra: „Nimm es nicht persönlich!“ sage ich mir in letzter Zeit auffallend oft. Babykeks betritt nämlich gerade die allseits bekannte

TROTZPHASE.

Ihr lieben auch-geplagten Eltern, ich hatte in meinem Studium Pädagogik und weiß mir manchmal dennoch nicht zu helfen. Ich sage mir dann immer nur „Nimm es nicht persönlich“ und das obwohl ich es eigentlich sehr persönlich nehme, wenn Babykeks auf dem Wickeltisch nach mir tritt, wenn er den Trinkbecher samt Inhalt auf den Wohnzimmerboden kippt, weil es nur Wasser und nicht Apfelsaftschorle ist, obwohl ich ihn zwei Sekunden vorher geben habe, den Becher vorsichtig wieder auf den Tisch zu stellen. Oder wenn er – ganz klassisch – im Supermarkt einen Aufstand probt. Ich dachte früher immer, das würde MIR nicht passieren, schließlich hab ich doch gelernt, mit solchen Situationen umzugehen. Heute höre ich da nur einen kleinen Teil meiner selbst hämisch auflachen.

Im Grunde sind wir Eltern völlig hilflos in Sachen Wutanfälle während der Trotzphase. Wenn man dem Kind erklärt, warum es das jetzt nicht darf, versteht es dies nicht und dieses Nicht-Verstehen löst die Wut aus. Ist der Anfall vorbei, macht es herzlich wenig Sinn, nochmal darüber zu reden, denn mit knapp 2 Jahren erinnern sich die Kleinen nach ein paar Minuten nicht einmal mehr daran, warum sie gerade ausgerastet sind. Da sind so viele Emotionen gerade durch das Gehirn dieses kleinen neuen Menschen geflossen, dass er gar nicht anders konnte, als völlig auszuticken, um diese Flut irgendwie zu verarbeiten. Aus pädagogischer Sicht ist das völlig normal und sogar sehr förderlich für die Entwicklung, aber aus Sicht der Eltern eine wahre Katastrophe.

Mehr als Trösten, wenn es endlich vorbei ist, kann man als Elternteil nicht machen. Und sind wir ehrlich: Es fällt einem sehr schwer, das Kleine wieder in die Arme zu nehmen, wenn es dich zwei Minuten vorher bis aufs Blut blamiert oder zum tausendsten Mal denselben „Käse“ verbockt hat. Trotzdem immer bei deinem Standpunkt bleiben, denn was für ein pädagogischer Sinn steckt dahinter, wenn dein Kind sieht, dass du selbst wortbrüchig wirst oder unter (seinem) Druck einbrichst.

Nähe ist nach einem Wutanfall genau das, was das Kind braucht, nach all diesem Chaos in seinem Kopf. Zu wissen, dass es auf Mama und Papa zählen kann, wenn etwas passiert ist, das es sich selbst einfach nicht erklären kann. Schließlich geriet seine Welt gerade aus den Angeln, und Mama und Papa sind da die einzige, schützende Konstante.

Ich vermeide mittlerweile ganz einfach, so gut ich kann, „unnötige“ Auseinandersetzungen mit meinem Söhnchen, auch wenn ich deswegen oftmals Aufwischen, Wegsaugen oder nochmal Waschen in Kauf nehmen muss. Wenn er die Suppe unbedingt alleine essen muss, dann bitte sehr. Wir haben eine Waschmaschine und vorher ein paar ruhigere Minuten am Essenstisch. Damit kann ich leben…

Pädagogisch gesehen beginnen die Kinder mit eineinhalb bis zwei Jahren, sich selbst als Individuum wahr zu nehmen. Das müssen sie natürlich austesten, um es überhaupt verstehen zu können. Wenn wir Eltern ihnen dann etwas verbieten, was sie gerne tun möchten, ist es ihnen völlig unbegreiflich, weshalb wir so „grausam“ sind. Sie kennen weder Konsequenzen noch Schamgefühl und sehen sich selbst als das Zentrum der Welt an. Die Trotzphase dauert bis zum dritten Lebensjahr an und das Verständnis, warum Mama und Papa etwas verbieten oder nicht zulassen, wird sich bis dahin nicht wirklich bessern.

Wir Eltern können uns nur damit trösten, dass dies einfach ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt ist und er vorübergehen wird, genau wie damals beispielsweise die nächtliche Bauchwehphase etc. Durchhalten und immer vor Augen halten: „Nimm es nicht persönlich!“ Gerade jetzt (wenn der „Anfall“ vorbei ist) braucht dich dein Kind noch mehr als sonst.

                                       

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Sabrina

… wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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