Für mich war die Tatsache, Mutter zu werden, nicht nur eine rein körperliche Angelegenheit. Im Gegenteil, das Meiste davon spielte sich in meinem Kopf ab. Plötzlich diese enorme Verantwortung für ein völlig hilfloses Baby zu tragen, festzustellen, dass sich mein Leben wie ich es bisher gelebt hatte, vollkommen veränderte, war eine harte Nuss, die es zu knacken galt.

Als ich diesen enormen Wunsch in mir spürte, Mutter zu werden, und mein Mann und ich uns dazu entschlossen, dachte ich, ich wäre vorbereitet und  mir wäre klar, was auf mich zukommen würde. Aber ganz ehrlich – ich hatte nicht die geringste Ahnung.  Allein die Tatsache, dass ich beinahe mein Baby verloren hätte und die Schwangerschaft zu Anfang so ganz anders verlief, als ich mir gedacht hatte, ließ mich hart auf den Boden der Realität aufschlagen und es dauerte lange Monate, bis ich mich davon erholt hatte.

Ich wünschte mir, ich hätte meine Schwangerschaft mehr genießen können, anstatt mir ständig Sorgen zu machen und ein schlechtes Gewissen zu haben, dass mein plötzliches Ausfallen auf der Arbeit Stress für meine Arbeitgeber und Enttäuschung bei meinen Schülern verursachte. Ich machte mir so viele Gedanken über Dinge, die ich jetzt als völlig nebensächlich ansehe. Aber das lag daran, dass ich einfach noch nicht gelernt hatte, die richtigen Prioritäten zu setzen, denn Eins ist klar: Mein Baby war und ist in meinem Leben bis zum Tag, an dem ich sterbe, meine oberste Priorität.  (Und natürlich hatte ich auch ganz großartige und wunderschöne Momente in meiner Schwangerschaft.)

Nach der Geburt ging es mir nicht besonders gut. Ich war glücklich, dass es Babykeks gut ging, dass das Stillen so gut klappte, aber der Schlafmangel und die absurde Angst, etwas falsch zu machen, nagte stets an mir und veränderte meine Sicht auf viele Dinge.

Bereits in der Schwangerschaft wendeten sich viele meiner so genannten Freunde von uns ab, denn ich war plötzlich nicht mehr die spontane Freundin, sondern die zerbrechliche, besorgte Schwangere und damit konnten zu meiner Enttäuschung die Wenigsten umgehen. Ein paar wirklich enge Freunde sind mir/uns natürlich geblieben, aber es tat weh, von den sogenannten Freunden derart abserviert zu werden. Als Babykeks dann geboren war, kamen die ersten interessierten Anrufe, aber da hatte ich dann kein Interesse mehr an diesen falschen Freundschaften, denn als ich Freunde gebraucht hatte,  sprach ich stets mit Anrufbeantwortern, lag alleine zuhause auf der Couch und fühlte mich erbärmlich einsam, bis endlich mein Mann und meine Familie ihre Arbeitstage beendet hatten und für mich da waren.

Ich hatte viel Zeit nachzudenken (manchmal vielleicht sogar zu viel), aber diese Erfahrung hat mich stärker gemacht. Mir sind Dinge bewusst geworden, die mich in meiner Entwicklung voran gebracht haben und heute…, fast zwei Jahre nach diesen ganzen Erfahrungen, fühle ich mich erwachsen und stark.

Ich habe mich wieder gefunden, kann mir ohne schlechtes Gewissen Zeit für mich alleine nehmen und genieße die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe. Habe aufgehört, mir Sorgen zu machen, was Andere von mir halten oder denken könnten, und habe akzeptiert, dass es keinen Sinn macht, verloren geglaubten Dinge nachzutrauen, denn das Leben, das ich jetzt führe, ist viel erfüllter, als das, das ich vor Babykeks geführt hatte, auch wenn es so ganz anders ist, als ich es mir damals vorgestellt hatte, als mein Mann und ich diese unglaublich mutige, alles verändernde Entscheidung getroffen haben, Eltern zu werden.

                                       

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Wow, toller Text, hat mich sehr berührt,Sabrina!
    Für mich warst du immer eine tolle Lehrerin.
    Weil wir deine Schülerinnen waren, haben wir zu dieser Zeit wenig von deinem Gefühlsleben mitbekommen(auch als du nach deiner Pause wieder da warst)…. du hast das alles schließlich immer sehr gewissenhaft von uns fern gehalten!
    Aber ich hab dich so lieb gewonnen, dass ich damals auch gern als Freundin für dich da gewesen wäre! 🙂

    • Hi Verena,
      vielen Dank, das ist so lieb von dir, ich weiß deine Worte sehr zu schätzen. Ich vermisse dich und die „große“ Klasse wirklich sehr und hoffe, dass es dir gut geht und dein Studium gut läuft. Ich würde mich sehr freuen, mal wieder etwas von dir zu hören… du wärst überrascht zu sehen, wie groß Babykeks mittlerweile ist und wie viel er schon kann und wie unablässig er quasselt 🙂
      Bis hoffentlich ganz bald mal wieder.

  • Da muss ich meiner Vorgängerin wirklich Recht geben, das ist ein sehr schöner Text. Und diese Sorgen und Ängste – auch schon in der Schwangerschaft – machen wohl alle Mamis mehr oder weniger mit. Aber Du hast ganz Recht, das macht einem stärker. Und unsere Kleinen sind das schönste Geschenk, das es überhaupt gibt. Das Thema „falsche Freunde“ habe ich in dieser Zeit genauso erlebt, auch nachdem mein Kleiner geboren wurde. Aber auf solche Menschen kann man dann auch wirklich gut verzichten und man lernt umso mehr die wahren Freunde zu schätzen 🙂 Viele liebe Grüße

    • Ja da hast du absolut Recht. Mami kann auch bedeuten, dass der Freundeskreis schrumpft, aber dafür wiederum intesiver werden kann.
      Und durch die Kleinen lernt man ja auch viele neue Leute kennen, die vielleicht auch irgendwann mal zu Freunden werden… Ein stetiger Wandeln 😉

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