Seit einigen Jahren unterrichte ich nun schon Kinder ab achtzehn Monaten in Begleitung eines Erziehungsberechtigten in der tänzerisch-musikalischen Frühförderung. Ich versuche, die Klassen stets „klein“ und übersichtlich zu halten, denn gerade für die Kleinen ist es sehr wichtig, dass sie sich wohl fühlen.

Vor kurzem kam in der Stunde dann die oft gestellte Frage einer besorgten Mami, was sie dagegen tun kann, dass ihr kleiner Schatz andere Kinder an den Haaren zieht. Ob es nun das Haareziehen, Beißen, Treten oder Kratzen ist, fast alle Kinder haben irgendwann einmal die Phase, in der sie „handgreiflich“ werden.  Bevor ich Babykeks hatte, griff ich natürlich sofort auf mein pädagogisches Wissen zurück und erklärte, wie man sich denn am besten verhalten sollte. Und jetzt habe ich auch noch den Bonus, zu verstehen, wie schrecklich dieses Verhalten auch oder gerade für die Mütter (oder Väter) ist.

Sobald das Kind sein Ich entdeckt, beginnt für gewöhnlich die Trotzphase. Die Kleinen mutieren hin und wieder zu riesigen Egoisten. Egal was sie gerade möchten, es muss sofort Realität werden, und wenn dies nicht eintritt, verstehen sie die Welt nicht mehr. Die Einen schreien, trotzen etc. die Anderen tun dies zwar für gewöhnlich auch, aber hinzu kommt ebenfalls noch die Handgreiflichkeit, die sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise im Verhalten des Kindes manifestieren kann.

Allerdings kann ich alle besorgten Eltern beruhigen: Die Kinder wollen mit ihrem Verhalten keinen Schmerz zufügen. Bis ins Alter von vier Jahren ist es ihnen nicht möglich, überhaupt zu verstehen, dass sie anderen Menschen Schmerzen zufügen können. Es gehen ihnen gerade so viele Emotionen durch den Kopf, die sich schlichtweg entladen müssen, und dies tun sie leider in besagten „Handgreiflichkeiten“.

Wie verhält man sich als Elternteil in diesem Moment?!

Das Schrecklichste an der Angelegenheit für die Eltern ist oftmals das Verhalten der anderen Eltern, deren Kindern vielleicht noch nicht oder (die Glücklichen) gar nicht diese Phase durchlebt haben. Sie werfen den Eltern des Kindes schlechte Erziehung vor oder stempeln das Kind als aggressiven Schläger ab, den es zu meiden gilt. Klar gibt es auch verhaltensauffällige Kinder, aber diese Phase gehört definitiv nicht dazu.

Es gibt viele Ratschläge, die man den Eltern dann geben kann, aber so unterschiedlich und einzigartig die Charaktere der Kinder sind, genauso unterschiedlich sind eben auch die wirkungsvollen Lösungen.

Ich gebe stets den gleichen Rat, dessen Durchführung ich auch auf Babykeks‘ Erziehung anwende. Wenn man noch schnell genug eingreifen kann, um das „Opfer-Kind“ zu schützen, dann sollte man das tun und gar nicht groß auf die Sache eingehen, denn das Kleinkind wird nicht begreifen, dass es etwas nicht tun darf, was es ja eigentlich noch gar nicht getan hat. Und da die Entwicklung und das Verstehen noch nicht genug gereift sind, macht es auch wenig Sinn, an Vernunft etc. zu appellieren. Wurde bereits an den Haaren gezogen, dann tröste ich das betroffene Kind und lasse Babykeks in dieser Zeit „links liegen“ (Aber nicht ignorieren, das würde ihn noch mehr verwirren und noch mehr Entladungen hervorrufen). Er sieht, dass das andere Kind weint und traurig ist, und Weinen kennt er von sich selbst – damit kann er etwas anfangen. Er sieht, dass Mama das traurige Kind tröstet…

Es kann sehr lange dauern, bis das Haare-Zieh-Kind die Brücke schlägt und versteht, dass es selbst der Verursacher war, und leider ist es (wie es nun mal so ist in der Trotzphase) nicht förderlich, mit dem Kind zu schimpfen. Natürlich gehe ich dann auch zu Babykeks und sage ihm, dass er dem Kind „Aua“ gemacht hat und dass man dies nicht darf. Aber wir Erwachsene dürfen dann leider nicht erwarten, dass unsere Kleinen das jetzt schon verstehen werden oder gar das Wissen erlangt haben, dieses Verhalten zukünftig zu unterlassen.

Es ist deprimierend, dass die Erziehung so lange dauert und man trotz aller Bemühungen sehr oft böse Blicke von „Unwissenden“ ernten muss. Aber Beharrlichkeit und die Liebe zu unseren Kindern sind das beste Rezept.

 

 

Bildquellenangabe: 
Bild im Artikel: S. Hofschlaeger  / www.pixelio.de

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Sabrina

… wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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