Die Sache mit der Freundschaft!

Ich erinnere mich nicht daran, dass es jemals für mich einfach gewesen wäre, Freundschaften zu schließen. Ich kam schon als Kind sehr gut mit mir alleine zurecht und hatte meistens Interessen, die meine Altersgenossen nicht unbedingt teilten. Es waren stets die älteren Kinder, mit denen ich spielte…

 

Daher mag es kaum verwunderlich sein, dass ich jetzt – als Erwachsene – nur eine handvoll Menschen meine Freunde nennen kann und dazu gehört natürlich auch mein Liebster. Als es mit uns damals „ernst“ wurde, wir zusammen zogen und so richtig erwachsen wurden, fiel uns auf, dass wir nicht das „junge Paar“-Leben führten, dass im TV als völlig normal angepriesen wurde. Wir machten uns unsere Gedanken und sagten oft scherzhaft, dass wir uns demnächst mal einige neue „Pärchen-Freunde“ zulegen sollten.

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Irgendwann sahen wir dann abends eine TV-Serie, in dem ein verzweifeltes Paar sogar einen Autounfall einfädelte, weil sie das Paar im Wagen so super sympathisch fanden und sie als Freunde adoptieren wollten. Soweit wollten und würden wir natürlich niemals gehen, denn eigentlich waren wir sehr zufrieden mit unserem Leben.

 

Doch mit Ende der Studienzeit und Beginn der Arbeitswelt blieb plötzlich oft Zeit übrig, in der mein Liebster und ich nicht zusammen sein konnten. Und da verspürte ich zum allerersten Mal in meinem Leben den Wunsch, „mehr“ Freunde haben zu wollen. Die Freunde, die ich habe, sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, und ich gestehe, dass es unglaublich schwer bis fast unmöglich ist, sie alle in einem lustigen Abend zu vereinen, ohne dass der eine oder andere vor Langeweile stirbt. Schade, aber wahr.

 

Als sich dann Babykeks ankündigte und ich plötzlich nicht mehr „die alte Sabrina“ war, sondern das zerbrechliche, besorgte „Fast-Mutter-Wesen“, erfuhr ich das erste Mal, wie enttäuscht man von seinen Freunden sein kann. Meine handvoll Freunde schrumpften nochmals und ließen mir einen bitteren Beigeschmack und Menschen, die ich von nun an wohl nur noch als „Bekannte“ einordnen sollte.

 

Ich machte mir Mut, da ich oft hörte, dass man unter den Mamis, die man nach der Geburt kennen lernt, stets auch einen Freund findet und genau das sah ich bei vielen meiner Verwandten. Es klappte tatsächlich! Ich lernte eine weitere Handvoll wunderbarer Frauen kennen, mit denen ich mich wöchentlich traf und deren Kinder mit Babykeks groß werden konnten.

 

Dies ist nun drei lange Jahre her. Ich treffe mich immer noch mit diesen Frauen und das, obgleich mittlerweile Geschwisterkinder, Kindergartenzeiten und Nachmittagskurse und natürlich Arbeit/Job unsere Zeit sehr bemessen und kostbar gemacht haben.

 

In unseren fast stetig wöchentlichen Treffen reden wir über sehr private Dinge, wir machen uns gegenseitig Mut und bringen Humor in oftmals verzweifelte Phasen. Wir erfüllen im Grunde alle Zeichen einer Freundschaft.

 

Trotzdem fühlt es sich ganz anders an, als ich gedacht hatte. Es mag an mir liegen oder aber an dem Umstand, dass es irgendwie immer die Kinder sein werden, die uns verbinden, so als hätten nicht wir uns gefunden, sondern unsere Kinder. Wir treffen uns nun (dank des KiGas) auch hin und wieder ohne die Kleinen, aber stets sind die Kinder unser Thema oder eben Dinge, die irgendwie trotzdem mit unseren kleinen Süßen verbunden sind.

 

Fehlt mir das „oberflächliche“ Quatschen über Lippenstiftfarbe, das ich eigentlich auch niemals zuvor in meinem Leben so praktiziert hatte? Möchte ich Freunde, deren wichtigstes Hauptmerkmal nicht der Begriff „Mutter“ ist?

 

Ich weiß es wirklich nicht. Ich bin einfach nur froh, dass es da Menschen gibt, mit denen ich über Dinge reden kann, die Andere nicht nachvollziehen können, und ich bin unglaublich gespannt, was die Zukunft für mich und diese tollen Frauen bereithalten wird.

 

Wie hat sich die „Freunde-Situation“ bei euch nach dem Mutterwerden geändert oder tat sie es gar nicht? Erzählt mir davon…

 

 

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

11 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Oh oh, ein sehr schwieriges Thema… Ich hab mich immer schwer getan damit, Freunde zu finden und vor allem, sie dann auch zu behalten. Und ich weiß, dass ich da selbst ganz viel Schuld dran trage und kann nur nur sehr schwierig über meinen Schatten springen. Nur eine Handvoll Freunde aus der Zeit vor den Kindern ist geblieben. Eine Handvoll neue Freunde – mehr oder weniger durch die Kinder – ist dazu gekommen.

    Freundschaften wollen gepflegt werden. Sagt sich so leicht…

    Dabei fällt mir ein: ich hätte da wieder einen Geburtstag zu feiern. Demnächst 🙂

    Alles Liebe
    Sandra

    • Liebe Frau Wörmchen, du triffst die Sache mal wieder auf den Punkt 😉
      Es ist schön zu lesen, dass es anderen Mamis in der Sache ganz ähnlich geht wie mir…
      Geburtstage sind was feines – sie garantieren, dass man sich zumindest zwei Mal im Jahr trifft *hihi*

      Bis dann…
      Sabrina

    • Lieber bullion, ich bin sehr beeindruckt, aber eigentlich hätte ich von dir auch nichts anders erwartet. 🙂

  • Ich weiß was du meinst. Man ist über jeden Menschen froh, mit dem man sich richtig gut versteht, und der nichts aber auch wirklich absolut gar nichts mit Baby/Kindthemen zu tun hat. Manchmal fühlt man sich sonst nämlich auf das Muttersein und seine Kinder reduziert. Ein Grund, warum ich manchmal ganz bewusst nicht über Kinderthemen bloggen mag. Ich bin mehr als die Henne, die ihre Brut hütet, der Hausengel, der die das Zuhause in Ordnung hält und gemütlich macht, mehr als der erste Anlaufpunkt von, über oder wegen der Kinder(n). Ich bin ich: Frau, Kind, Bloggerin, Arbeitnehmer und eben sehr gern auch einfach nur eine Freundin.

  • Oh, das kenne ich auch…Wahre Freunde erkennst du nicht in guten, sondern in schlechten Zeiten, heißt es ja (oder so ähnlich…). Ich will natürlich eine Schwangerschaft um Himmels Willen nicht als etwas Negatives bezeichnen, aber währenddessen (oder speziell nach der Geburt) zeigt sich dann, wem du als Mensch wichtig bist und wer dich demzufolge auch als Mama mit Nachwuchs akzeptiert. Dass sich das reduziert, ist wohl ganz normal. Ich bin sehr froh, dass ich mein Ensemble habe, mit dem ich zusammen Musik mache. Wir kennen uns seit 10 Jahren oder teilweise sogar mehr und haben seit der Pubertät alles zusammen erlebt. Ich bin momentan noch die einzige aus dem Freundeskreis, die schon ein Kind hat, aber diese wenigen (5 sind es genauer gesagt) haben mir bis heute die Treue gehalten und lieben Fiona auch abgöttisch. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich war sogar als Kind übrigens auch schon totaler Einzelgänger und wollte lieber in Ruhe gelassen werden und alleine spielen statt mit anderen 😉 Das hat sich scheinbar sogar vererbt ^^ LIebe Grüße von einer (leider „nur“) virtuellen Freundin!

    • Liebe leider „nur“ virtuelle Freundin,
      ich freue mich mal wieder riesig über deine lieben Worte und stimme dir absolut zu! Aber vielleicht ist es ganz gut, dass sich diese Art der „natürlichen“ Aussortierung ergibt, denn an solch enttäuschende Personen Zeit zu verschwenden, die ich mit meiner Familie hätte verbringen können würde mir sehr übel im Magen liegen…

      Bis bald – du Vorreiter in Sachen Kinderkriegen 😉
      Herzlichst
      Sabrina

  • Ich denke es ist auch so, dass man selbst einfach nicht mehr so offen für Freundschaften ist. Die eigene Familie ersetzt ziemlich viel und oft fehlt einfach die Zeit in intensive Freundschaften zu investieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wirklich Menschen gibt, die mir, auch wenn man sie Jahre nicht gesehen hat, immernoch so vertraut sind und auch wenn ich sie nicht oft sehe, weiß ich, dass das meine richtigen Freunde sind. Alles andere sind gute Bekanntschaften – was aber absolut nicht weniger wert ist.

    • Hallo Anline,
      da ist absolut was Wahres dran. Wahre Freundschaften überdauern auch eine längere „Trennungszeit“…
      Danke für dieses schöne Kommentar.

      LG S.

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