„Lebst du auch noch“-Typen

Kennt ihr diesen tragischen Satz auch: „Ach, lebst du auch noch?“. Den bekommt man von dieser speziellen Art Personen an den Kopf geworfen, wenn man sich nach einer „stressigen“, längeren Zeit mal wieder meldet. In meiner persönlichen Liste rangiert er gleich hinter: „Der Papst in Rom ist leichter zu erreichen als du!“. Anfangs habe ich das als nerviges Geplänkel abgetan, aber mittlerweile sortiere ich zwischen Menschen, die sinngemäß derartige Dinge sagen, und solchen Personen, die sich wahrhaftig freuen, wenn man endlich mal wieder die Zeit findet, sich zu melden.

 

Bildquellenangabe: Gerd Altmann  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Gerd Altmann / pixelio.de

Mein Liebster und ich haben da beispielsweise einen Freund, der sehr weit von uns entfernt wohnt, ständig in Asien auf Geschäftsreise ist, und wenn er mal „Zuhause“ sein kann, sogar noch richtig vielen Hobbies nachgeht. Ihr könnt euch denken, dass es sich recht schwierig gestaltet, regelmäßigen Kontakt zu halten. Hin und wieder kann durchaus mal ein halbes Jahr vergehen, bis wir mal wieder Kontakt haben, aber dafür freue ich mich umso mehr, wenn es soweit ist.

 

Dieser spezielle Freund gehört definitiv zur Kategorie „zwanglos und pflegeleicht“. Es macht ihm überhaupt nichts aus, wenn ich ihn auf dem Weg zur Arbeit anrufe und wir nur begrenzte Zeit haben oder die Verbindung uns wieder mal einen Strich durch die Rechnung macht, denn wir wissen, sobald einer von uns wieder die Zeit hat, dann reden wir schon weiter…

 

Dann gibt es da noch die Menschen, die eigentlich recht nah wohnen, oder sogar in derselben Stadt, und tödlichst beleidigt sind, wenn du dich nicht mindestens einmal in zwei Wochen bei ihnen meldest. Es ist dabei auch völlig schnuppe, ob es etwas Neues zu berichten gibt oder nicht. „Schließlich geht es ums Prinzip!“.  Dies ist meine Kategorie: „zeitintensiv und nervig“.

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es völlig egal ist, ob die Personen selbst schon eine Familie gegründet haben oder nicht, es scheint sich da wohl eher um eine Charaktersache zu handeln.

 

Früher war ich stets peinlich darauf bedacht, mich regelmäßig zu melden, ob mir danach war oder nicht, einfach, um nicht in Ungnade zu fallen oder mich peinlichen Momenten gegenüber sehen zu müssen.

 

Heute sehe ich die Sache anders: Ich habe schon öfter behutsam versucht, diesen „schwierigen“ Personen klar zu machen, dass es manchmal einfach nichts Neues gibt, dass ich manchmal einfach nicht reden möchte, weil ich schlichtweg Wichtigeres zu tun habe. Dass ich manchmal einfach auch mal Zeit für mich brauche, die ich nicht in einem Stundentelefonat verplempern möchte, das eigentlich überhaupt keinen Grund hat.

 

Leider blieben diese Bemühungen fruchtlos. Völliges Unverständnis darüber, dass ich meiner engen Familie selbstverständlich immer den Vorzug gebe und es mir gönne, hin und wieder Zeit für mich in Anspruch zu nehmen. Einige sind beleidigt und melden sich nicht mehr, wenn man zweimal in Folge absagen musste/wollte. Andere bombardieren mich mit Vorwürfen, ganz egal wie oft ich erkläre, dass ich mein Verhalten nicht zu ändern gedenke.

 

Am Anfang fiel es mir schwer, aber mit der Zeit wurde es eine wahre Erleichterung, keine „Pflichtanrufe und Treffen“ mehr zu tätigen.

 

Ich habe begriffen, wie wertvoll mir meine Zeit ist, und damit begonnen, sie fast ausschließlich und nur noch den Menschen zu schenken, die mir etwas bedeuten und denen ich und meine Familie wichtig sind.

 

Wenn ihr euch ein wenig wieder erkennt in dieser Sache, dann rate ich euch von Herzen, es mir gleich zu tun. Eure Zeit ist so kostbar und so bemessen, also verschwendet sie nicht aus Angst vor unangenehmen Gesprächen oder deplatziertem Pflichtgefühl.

Ich fühle mich viel besser, mit dieser „neuen“ Art zu leben.

 

So, und ich hätte große Lust, mal wieder ein paar ganz pflegeleichte und supertolle Menschen anzurufen…

               

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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