Hin und wieder gibt man sich als Elternteil ja gerne mal der Illusion hin, dass das Kind endlich die Trotzphase hinter sich hat. Dass an dem Satz „Nach der Phase ist vor der Phase“ leider etwas dran ist und die Phasen wohl bis nach der Pubertät anhalten, daran mag ich jetzt eigentlich gar nicht denken.

 

Heute erzähle ich euch mal davon, wie stolz ich bin, dass ich eine sehr Konsequente Mama bin und wie unglaublich grauenvoll sich das für mich anfühlt…

 

Ein Beispiel: Kürzlich besuchten wir Oma und Opa. Als wir aufbrachen, gingen auch Oma und Opa außer Haus und wir beschlossen, die beiden zu ihrem Auto zu begleiten, bevor wie unseren Heimweg einschlugen. Babykeks war aller bester Laune und als Oma und Opa bereits bei laufendem Motor im Auto saßen, hob ich Babykeks sogar nochmal hoch, damit er Oma durch die geöffnete Scheibe einen „Knutscha“ geben konnte. Alle waren gut gelaunt, bis Opa die Parklücke verließ und Babykeks daraufhin einen völligen Tobsuchts-Anfall hinlege (so einen wie schon lange nicht mehr).

 

Er schrie schrill und ohrenbetäubend, dass sich jeder nach uns umsah, er schlug nach mir und warf sich klischeehaft auf den kalten Gehweg. Es dauerte eine Weile bis ich aus dem Schluchzen und Schreien heraushörte, dass er von Oma noch einen Kuss auf die andere Backe wollte… (Ja- wegen so etwas rasten dreijährige aus – und noch wegen weitaus weniger…)

 

Da stand ich nun. Vor mir einen hysterischen Sohn, der sich nicht beruhigen lies, um mich herum abschätzende und verurteilende Blicke und der Druck wuchs und wuchs. Was mache ich also?

 

Klar, ich könnte mir Babykeks unter den Arm klemmen und los marschieren. Er würde sich schon irgendwann beruhigen – aber was würde er daraus lernen – genau Nichts!

 

Also tat ich das, was mein Liebster und ich besprochen haben und versuchte äußerlich ruhig zu bleiben und das obgleich mein inneres Ich lautstark gegen ihn anschrie und frustriert mit dem Fuß aufstampfte. Ruhig bleiben! Babykeks zeigen, dass ich ihn lieb habe und beschützen werde und ihm Halt geben, wenn er sich beruhigt hat. Genauso ist es nämlich richtig…

… und so richtig schwer durchzuziehen.

 

Fazit: Wir verbrachten knapp 10 Minuten auf demselben Fleck, ich ertrug die fremden abschätzenden Blicke, versuchte mich innerlich selbst zu beruhigen. Hielt Babykeks davon ab sich weh zu tun und gab ihm gleichzeitig „Freiraum“. Als das Schlimmste überstanden war, wollte er auf dem Arm nach Hause getragen werden. Er wiegt mittlerweile 16 kg und ich so an die 52kg. Das geht einfach nicht mehr und das weiß er auch. Also lief ich (ohne ihn aus den Augen zu lassen) vor und redete ruhig auf ihn ein mir zu folgen, was er auch mit schlurfenden, leidenden Minischritten tat.

 

Der nach Hause Weg ist sehr kurz und als wir wenige Minuten später am Treppenaufgang standen, hatte er sich scheinbar beruhigt. Scheinbar! Denn dann machte er ernst und wollte keine Stufen mehr steigen.

Bildquellenangabe: Bettina Stolze  / pixelio.de  Ich sah rot und machte dicht.

Bildquellenangabe: Bettina Stolze / pixelio.de

 

Eine grauenvoll lange viertel Stunde war ich eine pädagogische Vorzeigemama. Ich hatte alles richtig gemacht und wie bekam ich es vergolden – wie immer eben – gar nicht!

 

Meine Stimme veränderte sich und ich ließ die dunkle Seite Besitz von mir ergreifen. Mit bedrohlich gesenkter Stimme lies ich Babykeks wissen, dass wenn er sich nicht augenblicklich in Bewegung setzten würde, er heut nicht wie versprochen eine Folge „Connie“ sehen dürfte.

 

Es zog nicht und ich zog die Schlimmste Sache meiner Kindheit aus der Tasche. Ich sah mich selbst meine Hand heben und den Daumen mit dem grauenvollen Wort „eins“ heben. Da Babykeks so stur wie ich ist, hielt er natürlich bis drei durch und meine Frustration explodierte. Irgendwie musste er das bemerkt haben und begann den Aufstieg mit todesverachtender Miene.

 

Genauso schnell wie alles begann, war es auch vergessen und als unsere Jacken an der Garderobe hingen und Babykeks losspielte war seine Wut verraucht und alles wieder im Lot bei ihm.

Ich brodelte innerlich noch eine ganze Weile weiter und musste mich sehr zusammennehmen  ihn das nicht spüren zu lassen.

 

Ich war Konsequent. Er durfte an diesem Abend nicht „Connie“ gucken. Auch hatte ich konsequent durchzuziehen den großen Kerl nicht mehr zu tragen. Stolz???

 

Als ich abends im Bett lag, hätte ich am liebsten heulen mögen. Ich hatte zwar „gewonnen“ und mich pädagogisch ganz passable gehalten, aber es fühlt sich so schrecklich an, gegen einen kleinen drei Jahre alten Jungen so konsequent sein zu müssen…

 

Wie erlebt ihr solche Situationen? Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben? Kennt jemand Tricks, die man nicht mal im Pädagogik-Studium lernt? Teilt euer Wissen und eure Erfahrungen mit mir und den Lesern. Die Dankbarkeit wird euch auf Ewig sicher sein..

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Das kommt mir sooo bekannt vor (besonders die für uns Erwachsene nichtigen Auslöser). Aber man kann eben nicht viel anderes machen außer versuchen ruhig zu bleiben und sich dabei dennoch nicht auf der Nase rumtanzen zu lassen. Wenn der initiale Trotz vorbei ist, dann versuchen die kleinen Monster oft schon wieder schnell die entsprechenden Knöpfe zu drücken – und diese Grenze abzufangen ist gar nicht immer so leicht…

    • Lieber bullion,
      als erstes: Herzlichen Glückwunsch! Du hast gerade Kommentar Nummer 1000 auf dem Babykeks-Blog verfasst *freu*
      Und zweitens gebe ich dir absolut recht. Die Kleinen wissen tatsächlich sehr genau welche „Knöpfe“ sie drücken müssen und kennen weder Scheu noch Skrupel 😉 Das „ruhig bleiben“ ist leider Tagesform abhängig, aber wir Eltern arbeiten ja stets an unserem „Geduldsfaden“…
      Vielen Dank für deinen Kommentar 😉

      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

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