Kennt ihr eine Mutter, die KEINE Schuldgefühle hat?

Ich war überrascht, nachdem ich, nach längerem Überdenken, die Frage ganz klar mit einem deutlichen NEIN beantworten konnte.

 

Bildquellenangabe: Matthias Preisinger  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Matthias Preisinger / pixelio.de

 

Aber warum beginne ich diesen Artikel auf diese Art? Weil ich mal wieder krank war. Ganz klassischer Fall: Das Wochenende mit der Familie war schön, keine negativen Auffälligkeiten und als ich montags morgens aufwache, habe ich Fieber, Halsschmerzen und fühle mich übelst bescheiden.

 

Und da sind sie auch schon: Die Schuldgefühle! Verdammt! Warum bin ich schon wieder krank? Wo hab ich mir das denn wieder eingefangen? Wie sage ich es nur meinen Arbeitgebern? Wie regle ich das Hinbringen und Abholen vom Kindergarten für Babykeks? Warum ist ausgerechnet jetzt der Kühlschrank leer? Ihr kennt das sicher…

 

Von dem, was durch meine Krankheit meinem Kind abgeht, mag ich gar nicht erst anfangen. Man denke an beispielsweise Nicht-vorsingen-können, Nicht-vorlesen, keine Kraft zum Basteln, Bespaßen etc. und vor allem „Backofenessen“…

 

Fazit: Ich habe furchtbare Schuldgefühle meinem Kind/meiner Familie gegenüber, aber genauso sehr quält mich auch die Tatsache, dass ich meine „Chefs“ enttäusche. Wie lange wird das wohl noch „toleriert“ werden? Der Anruf auf der Arbeit wird zum gefühlten „Gang zu Canossa“!

 

Dann kommen die Gedanken, die mir sagen, dass es an der Zeit ist, sich für ein Lager zu entscheiden. Aber nach längerem Grübeln wird mir bewusst, was für ein Unsinn ich da gerade denke. Es gibt keine Entscheidung, denn mein Kind/meine Familie ist Priorität Nummer Eins. Die Entscheidung ist schlichtweg folgende: Schaffe ich den sogenannten Spagat zwischen Beruf und Kind?

Seltsam, dass ich mir diese Frage niemals stelle, wenn ich gesund bin. Da klappt doch alles einigermaßen reibungslos.

 

Gerade kürzlich hat mir übrigens eine nicht arbeitende Mami gestanden, dass sie so schreckliche Schuldgefühle hat, aus ähnlichen und auch ganz anderen (absurden?) Gründen. Darf man das sagen, dass Gründe in diesem Fall absurd sein können? Denn mir erscheinen meine Schuldgefühl-Gründe sehr rational und so mögen andere das mit ihren definitiv auch sehen.

 

Ist das ganze Schuldgefühl-Ding Einbildung?  Und wenn ja, warum schaffen wir Mütter, Organisationstalent – Lebensmanagerin – Haushaltsführungskraft, es nicht, diese  irrationalen Gefühle endlich über Bord zu werfen?

 

…und da stehe ich nun vor dieser scheinbar unüberwindbaren Wand (aus Schuldgefühlen?) und weiß nicht weiter…

Wie kommt ihr auf die andere Seite?

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Gute Frage,
    ich glaube ein Mutter-Dasein ohne Schuldgefühle gibt es nicht. Ich beispielsweise frage mich immer wieder ob meine Kinder besser sprechen würden, wäre ich einfach im Umgang mit ihnen gesprächiger gewesen. Jede meiner Bewegungen zu kommentieren erschien mir immer etwas albern, doch rückblickend gesehen, hätte es ihnen in der Sprachentwicklung sicherlich geholfen.

    Aber auch im Arbeitsumfeld kommen häufig solche Gefühle auf.

    Ganz ehrlich? Ich glaube da hilft nur Ablenkung und sich in vielen Dingen, wie bei deiner Krankheit, zu sagen, dass man für gewisse Umstände nunmal nichts kann und man nicht für alles in der Welt verantwortlich zu machen ist.

    Aber im Grunde ist es doch gut eine Verantwortung anderen Gegenüber zu empfinden. Es zeigt, dass man sich um das Wohlergehen und die Meinung der anderen kümmert.

    Ganz ohne Schuldgefühle – wäre man da nicht ein unsymphatischer Egoist? :bingung

    • Hallo Lisa,
      das ist eine sehr schöne Einstellung! Sich um das Wohlergehen der anderen zu kümmern… 😉
      Vielen Dank, dass du mir deine Sicht der Dinge verraten hast.

      Und mach dir keine Sorgen, ich bin sicher, dass die Geschwindigkeit der Sprachentwicklung für deine Kinder spätestens mit 20 Jahren keine erwähnenswerte Sache mehr sein wird 😉

      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

  • Oh mein Gott, ich kenne das nur zu gut. Es gab in den letzten 15 Monaten so viele Situationen, in denen ich Schuldgefühle hatte. Als selbständige Mami befinde ich mich eigentlich immer in einem Spagat zwischen Kundenwünschen und Kinderlachen. Es zerreißt mir beinahe das Herz, wenn ich meinen kleinen Liebling mal wieder zurücklassen muss, weil sich im Büro die Arbeit stapelt. Natürlich weiß ich, dass er in dieser Zeit in guten Händen ist und dass ich ihm letztlich mit meiner Arbeit auch ein Stück weit den Weg ebne, doch Schuldgefühle, in diesem Moment nicht für das eigene Kind da sein zu können, habe ich jedes Mal.
    Man muss einfach ganz ehrlich sagen, dass der Spagat zwischen Karriere und Familie nicht leicht ist. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Deine Frage, wie man auf die andere Seite der Wand kommt, kann ich nur schwer beantworten. Doch ist es im Grunde nicht so, dass wir selbst auch als Mama nicht auf den Berufsalltag verzichten möchten?

    • Hi Dima,
      das sind wahre Worte. Ich glaube auch nicht, dass es Frauen gibt, denen besagter Spagat „leicht“ fällt…
      Ich erinnere mich auch immer daran, dass Babykeks super gut betreut ist, wenn ich arbeite, aber gut fühlt es sich trotzdem nicht an…
      Danke, dass du mich wissen lässt, das es „uns allen“ schwer fällt…

      Herzlichen Gruß
      Sabrina

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