Nachfolgenden Artikel habe ich bereits vor längerer Zeit als Auftragsarbeit/Gastautorin geschrieben, da das entsprechende Projekt nun leider offline ging, habe ich – nach einer ganz netten Anfrage einer meiner Leserinnen – beschlossen, ihn nochmals hier auf „Babykeks“ zu veröffentlichen, und hoffe sehr, er gefällt euch und gibt einen kleinen Einblick in meine (Berufs-)Welt…

 

Welches kleine Mädchen träumt nicht davon, eine wunderschöne Ballerina zu sein? Tanzen in farbenfroh glitzernden Tutus, bewundernde Blicke zugeworfen bekommen und sich dabei ganz besonders fühlen? Aber ab wann ist es eigentlich sinnvoll, sein Kind zum Ballettunterricht zu schicken?

 

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Als Tanzpädagogin mit langjähriger Berufserfahrung und selbst Mutter eines kleinen tanzbegeisterten Sohnes kann ich euch den „Tanzunterricht“ gar nicht früh genug ans Herz legen. Die früheste Möglichkeit, mit seinem Kind tanzen zu gehen, sind vielerorts Kurse ab 18 Monate, in denen die Kleinen gemeinsam mit einem Elternteil an die Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers herangeführt werden und viele verschiedene Musikarten entdecken können.

 

Der erste „richtige“ Ballettunterricht beginnt meistens mit drei Jahren und ist super als Einstieg in die Welt des Tanzes geeignet. Hier werden auf spielerische Art die ersten, in diesem Alter durchführbaren Ballettschritte gelernt. Doch weil Körper und Seele der kleinen Tänzer noch sehr zart behandelt werden müssen, startet das erste tatsächliche Ballett-Training mit Beginn des Schulalters, wenn die Kinder in der Lage sind, sich längere Zeit zu konzentrieren, und ihren Körper motorisch weitgehend unter Kontrolle haben.  Dann startet ganz behutsam die eigentliche Ausbildung, zu der  selbstverständlich auch Disziplin und Respekt zählen.

 

Und wann kommen die Spitzenschuhe? Eine Frage, die ich bereits von Vierjährigen häufig gestellt bekomme, denn die Faszination für den Balletttanz begründet sich ohne Frage auf die kunstvolle Art „auf der Spitze“ zu tanzen und dabei die Illusion des Schweben und Gleitens zu erschaffen.  Genau hier ist große Vorsicht geboten und die Eltern können feststellen, wie gut der Tanzpädagoge tatsächlich ist. Um Kinder und Eltern an die Ballettschule zu binden, ignorieren schlecht ausgebildete Lehrer oftmals das absolut wichtige Gebot, nur ausgebildete und für das Alter vollständig entwickelte Füße in Spitzenschuhe zu stecken. Zu früher Spitzentanz oder nicht ausreichend trainierte Muskulatur können zu schweren Verletzungen und Fehlentwicklungen führen. Doch mit einem guten Pädagogen hilft der regelmäßige Ballettunterricht, nicht nur die Haltung zu verbessern, sondern unterstützt auch das Herz-Kreislaufsystem, hilft den Kindern, ihr Selbstwertgefühlt zu steigern, und ganz nebenbei und unbemerkt wird die soziale Kompetenz in der Gruppe trainiert sowie die Akzeptanz einer Autorität, die kein Elternteil ist, was wiederum der Schule sehr zugute kommt.

 

Der Höhepunkt für jeden der kleinen Tänzer ist ohne Frage die große Aufführung. Monatelang wird geübt und geprobt, Kostüme anprobiert und Abläufe durchgesprochen, und endlich ist der ersehnte Tag da. Die Kinder sitzen das erste Mal in einer richtigen Bühnen-Garderobe, sehen sich selbst in beleuchteten Spiegeln und spüren die aufregende Ehrfurcht, die ausnahmslos jede Kulisse und Bühne mit sich bringt. Sie halten völlig still, wenn sie ihr Bühnen-Make-Up aufgetragen bekommen und schlüpfen behutsam in ihre Tutus, als wären diese die zerbrechlichsten Kleider, die es gibt.

 

Ich liebe es, die kleinen Tänzer zu beobachten, wenn sie vorsichtig durch Schlitze im Vorhang spähen, die vielen Stühle voller Zuschauer sehen und nach ihren Eltern Ausschau halten, um dann mit kribbeligem Bauch kichernd zurück in die Garderobe zu rennen.  Mit großer Ernsthaftigkeit stehen bereits die Kleinsten hinter der Bühne und warten gespannt darauf, dass die ihnen vertraute Musik beginnt und sie endlich hinaus in das helle Licht der Bühne tanzen dürfen. Von Lampenfieber ist nicht der Hauch einer Spur mehr zu sehen, wenn sie stolz wie eine echte Ballerina über die Bretter tanzen und sich so manch eine Mami im Publikum die Freudentränen wegwischt, wenn ihr Kind aufrecht und sicher zur abschließenden Verbeugung an den Bühnenrand tritt und dann mit breitem Grinsen zurück in die Kulisse tänzelt.

 

Zum großen Finale kommen alle nochmal auf die Bühne und das bewundernde Glitzern in den Augen der kleinen Tänzer ist unverkennbar, wenn die Prima Ballerina ihren Blumenstrauß überreicht bekommt. Genau DA wollen die kleinen Tanzmäuschen auch einmal hin, wenn sie groß sind.

 

Nicht für jeden ist der Beruf des Tänzers und oder des Tanzpädagogen geeignet, denn ohne das nötige Talent, den Biss und die körperlichen Voraussetzungen ist er schlichtweg unmöglich durchzuführen. Dann ist es gut, dass die Kinder größer werden und aus dem Traum, Ballerina zu werden, plötzlich Tierärztin, Astronaut und Präsidentin werden. Doch für einige Wenige öffnet sich der Pfad des Tanzens und lockt in eine Welt, die körperliches Training, höchste Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit und absolutes Durchhaltevermögen voraussetzt, aber auch lockt und schillert mit Bewunderung, Applaus und einer ganz außergewöhnlichen Lebensart. Und sobald das Leben auf den hunderten von Bühnen und in unzähligen Hotels ein leider sehr frühes und dennoch altersbedingtes Ende findet, kann man sich für einen der schönsten Jobs der Welt entscheiden: nämlich den des Tanzpädagogen.

 

Tanzpädagogen werden sicherlich nicht reich  durch ihre Arbeit, aber ganz sicher erfüllt. Denn was kann es Schöneres geben, als eine Arbeit, die man gerne macht. Täglich umgeben einen kleine und große Menschen, die aus Leidenschaft den eigenen Unterricht besuchen, Schüler, die mit Hingabe und Freude die selbst erdachten Choreographien tanzen und mit strahlenden Augen ein aufrichtiges DANKE aussprechen, wenn sich der Vorhang nach der sagenhaft tollen Ballettaufführung schließt und man selbst dazu beigetragen hat, dass ein kleiner Traum für diesen gelehrigen Tänzer in Erfüllung gegangen ist.

 

Denn eines weiß ich ganz genau: „Träume werden manchmal tatsächlich wahr!“

Herzlichst  Eure Sabrina

            

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Das hört sich wunderschön an. Ich hoffe, dass meine beiden Jungs auch mal die Begeisterung für das Tanzen entdecken. Unser Großer hat schon recht früh begonnen, auf Musik zu reagieren. Er bewegt die Arme, dreht sich im Kreis und beginnt vor Freude zu lachen. Es wäre wirklich schön, wenn das so bleiben würde. Vielleicht sind es ja schon die ersten Anzeichen für einen tanzbegeisterten Sohn. 🙂

    • Huhu Dima,
      ja das Tanzen liegt den Kleinen im Blut. Ganz egal ob Mädchen oder Junge. Schade ist nur, dass den Jungs so großen Druck von Außen gemacht wird, dass sie oftmals die Freude am Tanzen verlieren… aber vielleicht hast du Glück mit deinem Süßen und er behält sich diese Leidenschaft bei. Ich bin sicher, dass es sich für ihn lohnen wird, wenn er „älter“ ist *hihi*

      Lieben Gruß
      Sabrina

  • Liebe Sabrina, davon bin ich überzeugt. Wenn wir mal ehrlich sind, gibt es auf dieser Welt doch einfach viel zu wenig Männer, die tanzen können oder mit Begeisterung tanzen. Ich finde es schade und ich muss auch sagen, dass es einer meiner größten Vorsätze ist, meinem Kind solche Aktivitäten nicht zu verbieten. Vielleicht passen sie nicht ins typische Klischee, doch das ist egal. Er soll das machen, wozu er Lust hat. Mich nervt es einfach, dass viele Jungs in ein typisches Bild gedrückt werden und sich darin nicht entfalten können.

    • Huhu,
      ja da hast du recht… allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nicht die Eltern sind, die das Tanzen „verbieten“ sondern eher der soziale Umgang/Umfeld (Freunde etc.), die sich darüber lustig machen, dass ein Junge tanzt… das geht wohl schon auf die Erziehung deren Eltern zurück, aber gebessert hat es sich dennoch ein wenig. Früher hatte ich gar keine Jungs in meinen Klassen. Seit ca. 2 Jahren hat sich das endlich geändert.
      Außerdem habe ich auch reine Jungs-Klassen angeboten, die natürlich auch anders beworben wurden und diese waren auch meiste gefüllt (zumindest die von 3-7 Jahren). Ältere Jungs wollen lieber HipHop tanzen, was ich auch verstehen kann und natürlich auch gutheiße 🙂

      Wer weiß, vielleicht ändert sich das ja bald und noch mehr Jungs möchten noch mehr tanzen… Ich würde mich freuen und bin überzeugt, dass es den Jungs sehr zugute kommen würde…

      Liebe Grüße und vielen Dank für all deine netten Kommentare 🙂

      Sabrina

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