Ein stiller Tag

Neben einem Bruch ist für eine Ballettlehrerin nur eine Sache vergleichbar tragisch und das ist der Verlust der Stimme. Ich hatte in meiner Karriere bereits vier üble Kehlkopfentzündungen und war stets brav beim Kurieren. Habe meine Medikamente genommen und nur das Nötigste gesagt und siehe da, nach einer Woche war die Sache ausgestanden. Dank der „Zaubertafel“ meines Sohnes konnte ich sogar unterrichten, auch wenn es bei den Kleinsten zugegebermaßen etwas schwierig und extrem lustig wurde deswegen.

 

Doch dieses Mal fühlte sich der Schmerz anders an. Nach einer heftigen Streptokokken-Infektion, Penicillin und fast zwei Wochen immer wieder kommendes Fieber sollte man meinen, auf dem Weg der Besserung zu sein, aber leider traf dies nicht auf mich zu.

 

Die Halsschmerzen wurden immer unerträglicher und meine Hausärztin kapitulierte mit einer Überweisung zum HNO-Spezialisten. Dieser untersuchte mich, schüttelte überrascht den Kopf und sagte: >>Sie haben eine Blase auf den Stimmbändern!<<

 

Ich war völlig verdutzt und wusste damit nichts anzufangen. Seine Erklärung, dass eine mechanische Fehlbelastung der Stimmbänder genauso eine Blase erzeugen kann, wie das Tragen „falscher“ Schuhe, verschlug mir die Sprache.

Fazit: Tapfer sein, alle Medikamente richtig einnehmen und auf gar keinen Fall reden!

 

Tja, Babykeks und seine stumme Mama – das kann heiter werden.

 

Bildquellenangabe: Thorben Wengert  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Thorben Wengert / pixelio.de

 

Doch seltsamerweise verlief der erste Tag meines Schweigens „gut“. Am Morgen erzählte der Papa, warum Mama still sein musste und dass dies nicht seine Schuld wäre, und dann brachte der Liebste ihn in den Kindergarten. Die Schwiegereltern holten ihn von eben diesem wieder ab und der Liebste kam extra früher von der Arbeit, um Babykeks dort in Empfang zu nehmen und mit leicht schluckbarem Fast-Food nach Hause zurückzukehren.

 

Die beiden Männer unterhielten sich und hatten Spaß, während ich zusah/zuhörte und mich amüsierte. Meine pantomimischen Einlagen belustigten Babykeks sehr und sein glockenhelles Kinderlachen ließ meinen Schwermut verfliegen. Zu zwei Sätzen ließ ich mich an diesem Tag dennoch hinreißen. Ein „Ich liebe dich!“ & „Schlaf gut, mein Sternchen!“ mussten einfach gesagt werden. Meine Kommunikation beschränkt sich derzeit auf die Geräusche, die die Tastenanschläge verursachen und meine Gesten. Der Liebste kommt damit gut zurecht und ich hoffe sehr, dass diese schmerzhafte Blase, die sich entzündet hat und somit zum mega Problem wurde, bald abheilt.

 

Mir war nicht bewusst, wie viel ich jeden Tag rede. Nicht nur am Arbeitsplatz, sondern natürlich auch zu Hause. Wie häufig musste ich mich zurückhalten und wie erstaunt war ich, als ich bemerkte, dass ich – selbst wenn ich alleine bin – meine Stimme benutze… ich summe, singe vor mich hin und kommentiere ins Leere… eigenartig, mag sein, aber so ist das nun mal bei mir.

 

Dass ich nicht sprach und es somit in unseren vier Wänden sehr still war, wirkte sich auch auf Babykeks aus. Er schien ebenfalls zur Ruhe zu kommen und obwohl er lachte und spielte wie immer, war es/er doch ruhiger.

 

Ich werde mir das ein wenig zu Herzen nehmen und meine animierende Ballettlehrerinnen-Art zu Hause herunterdrehen. Wer weiß, vielleicht tut das Babykeks auch mal für eine Weile gut. Wenn es ihm nicht gefällt, werde ich das sicherlich merken und bis dahin probiere ich etwas Ungewöhnliches aus…

               

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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