Es ist schon eigenartig, wie das Gehirn eines Elternteils funktioniert.

Wir sehnen uns danach, mit unseren Kindern zusammen zu sein, und doch sind wir hin und wieder (ok, häufiger Mal so richtig) froh, wenn sie im Kindergarten oder in der Schule sind, damit wir Zeit haben, unseren Verpflichtungen ungestört nachzugehen oder einfach mal abzuschalten.

Derzeit befindet sich unser vierjähriger Babykeks in einer dieser Entwicklungsphasen, in der er unglaublich viele neue Ebenen der Realität plötzlich versteht. Er sieht sich etwas an und wir merken an der Art seiner Fragen, dass er einen neuen Level des Verstehens betreten hat. Das macht uns unglaublich stolz und gleichzeitig auch tatsächlich ein wenig traurig, denn dies bedeutet, täglich mehr und mehr von unserem Baby verschwinden zu sehen. Und sind wir ehrlich: Wir haben nicht wirklich eine Ahnung, was für ein Mensch aus unserem Kind später einmal werden wird. Wir hoffen auf das Beste und geben alles, damit wir ein glückliches, faires Individuum auf die Welt loslassen werden.

 

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Bildquellenangabe: knipser5 / pixelio.de

 

Ein weiterer schizophrener Anfall ereilte mich kürzlich, als ich über den Kindergarten nachdachte. Wir haben einen ganz wunderbaren Betreuungsplatz für Babykeks ergattert. Wir sind absolut zufrieden mit den Erzieherinnen und der Art der Pädagogik dort, dennoch erwische ich mich in letzter Zeit immer häufiger dabei, wie ich innerlich (oder mit meinem Liebsten) auf den KiGa schimpfe.

Da sitzt er, mein kleines (vierjähriges) Baby und benutzt plötzlich (schlimme) Worte, die er absolut und zu einhundert Prozent nicht von Zuhause kennt, denn wir taten schlichtweg alles, um nicht eines dieser Kinder zu erziehen, das eben genau solche Ausdrücke verwendet. Plötzlich stellt er Unsitten bei Tisch zur Schau oder bockt bei Dingen, die er sonst überaus gerne getan hat, weil sie nicht mehr „cool“ sind.

Kürzlich auf einem Geburtstag war ich so richtig belustigt über die Tatsache, dass mein Kleiner doch tatsächlich „Happy birthday to you“ in der „Marmelade im Schuh“-Version laut und inbrünstig zum Besten gab, denn ich erinnerte mich daran zurück, wie toll man sich als Kind dabei fühlte, derart kühn „Vorgaben zu brechen“. Kurz darauf – oder war es eher gleichzeitig? – schämte ich mich ein klein wenig, dass er jetzt ganz offensichtlich in dieser „frechen Spitzbuben“-Phase angekommen war.

Als ich vor einiger Zeit (dank Zeitdruck) völlig entnervt meinen armen Babykeks anblaffte: „Du bist schon vier Jahre alt, zieh dir gefälligst deine Socken selbst an!“, bereute ich eine Sekunde später, dass er es tatsächlich tat. Natürlich ist es superklasse, dass er sich selbstständig anzieht, und ja, es ist nervig, dass er aus Bequemlichkeit immer noch mich um Hilfe bittet, aber in diesem Moment, als ich ihm dabei zusah, wie er seinen kleinen putzigen Fuß in den Socken schob und dabei seine Zunge vor Konzentration zwischen die Lippen presste, wurde mir bewusst, dass ich doch eigentlich noch gar nicht dazu bereit war, ihm nun auch das Anziehen ganz selbstständig abzutreten. Ich wollte doch mein Baby berühren und kuscheln, während ich diese alltäglichen Rituale mit ihm zelebriere.

Solche und Hundert andere schizophrene Momente häufen sich derzeit sehr auffällig in meinen Gedanken. Gehört das zur elterlichen Entwicklung dazu? Wird das besser oder eher schlimmer? Kann es sein, dass diese Art der Schizophrenie in schlichtweg jedem Alter des eigenen Kindes feststellbar ist?

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Teilt eure Erfahrungen mit mir. Leidet ihr auch unter Elternschizophrenie?

 

Für alle Ganz genauen unter meinen Lesern: Umgangssprache Schizophrenie:

Umgangssprachlich wird „schizophren“ gelegentlich synonym zu „widersprüchlich“, „ambivalent“, „inkonsequent“ oder „absurd“ verwendet. Dies rührt von der falschen Vorstellung einer „gespaltenen Persönlichkeit“ (dissoziative Identitätsstörung) der Erkrankten her, die auf einer fehlerhaften Rückübersetzung des Begriffs Schizophrenie beruht. (Quelle: Wikipedia)

Dieser Artikel soll bitte genauso scherzhaft und amüsant verstanden werden, wie er geschrieben wurde, und zielt keinesfalls darauf ab, an tatsächlicher Schizophrenie leidenden Personen zu parodieren oder gar zu verärgern.

Und ich möchte anmerken, dass ich es sehr schade finde, dass ich mich dazu veranlasst fühle, dies auch ausdrücklich nochmals deutlich zu machen…

 

 

 

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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