Ich habe ein Baby. Es ist mittlerweile vier Jahre alt und der Mittelpunkt meines Lebens. Jede Entscheidung, die ich treffe, treffe ich mit der Weitsicht, wie sie mein Baby beeinflussen wird.

Dieses Baby hat alle anderen Menschen, die ich liebe von ihren Podesten gestürzt, und auch wenn ich mich manchmal dafür schäme, meinem Baby den Vorzug vor meinem Mann oder meinen Eltern oder all den anderen Menschen, die ich liebe, zu geben, so werde ich dies dennoch niemals ändern.

 

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An manchen Tagen bin ich froh, wenn mein Baby nicht bei mir ist. Wenn er im Kindergarten, bei Freunden oder den Großeltern ist, denn dann atme ich durch und erlaube mir manchmal sogar ein wenig Selbstmitleid, wo „ICH“ eigentlich abgeblieben bin in den vergangenen Jahren. Warum ich dieses oder jenes Hobby, die eine oder andere Meinung plötzlich nicht mehr vertrete, weshalb ich eigentlich so anders geworden bin.

 

Doch diese Gedanken vergehen schnell wieder, denn plötzlich trifft mich wieder dieser Blitz der Erkenntnis und ich schüttle innerlich über mich selbst den Kopf. Dieses Ich, über das ich so wehmütig nachgedacht habe, gibt es schlichtweg nicht mehr, denn diesem Ich ist etwas ganz Natürliches zugestoßen: Zeit.

 

Ganz egal, ob ich Mutter, Single, Ehefrau, Workaholic, Faullenzer oder Megastar geworden wäre, das Ich, dem ich da gerade nachgetrauert habe, würde es in keiner dieser Eventualitäten geben, denn ich habe mich weiterentwickelt, habe Erfahrungen gemacht und aus Fehlern gelernt, bin an ganz wunderbaren Ereignissen gewachsen und „Gott sei Dank“ gibt es dieses alte Ich nicht länger… Was wäre ich nur für ein Mensch, wenn ich mich nicht weiterentwickeln würde.

 

Dann breitet sich wieder diese unglaubliche Liebe in mir aus und das schmerzende Vermissen setzt ein. Gerade wollte ich noch diese fünf freien Stunden nur für mich genießen und Schwupps würde ich nichts lieber tun, als mein großes Baby aus dem Kindergarten zu mir nach Hause holen.

 

Sicherlich kennt ihr diese Gefühle auch, ganz gleich ob ihr Mutter oder Vater seid. Manchmal tut es einfach einmal ganz gut, daran erinnert zu werden, dass man mit seinen hin und wieder beängstigenden Elterngefühlen nicht alleine steht.

 

Es ist in Ordnung, wenn man sein Kind über alles andere in seinem Leben setzt, solange es sich richtig anfühlt, und es ist in Ordnung, auch mal genau von dieser Haltung eine Pause zu nehmen, um einen ganzen Tag so zu tun, als wäre man ohne Verantwortung. Das ist menschlich und zeigt, dass man sich nicht im Stillstand befindet, sondern stetig weiterentwickelt.

 

Was könnte besser sein für mein großes Baby als eine Mutter (Vater), die Ziele verfolgt, die ihr Leben genießt und sich über Höhen und Tiefen dieses Lebens im Klaren ist? So oft habe ich schon gelesen, dass man nur dann Liebe schenken kann, wenn man zulässt, sie zu empfinden. Und genau dies tue ich jeden Tag. Ich liebe mein großes Baby und ich liebe es, wie er mich liebt, und weil sich daran niemals etwas ändern wird, ganz egal wie hoch das Hoch oder wie tief das Tief in unserem Leben gerade ist, kann ich mir sicher sein, dass zwischen uns alles in bester Ordnung ist.

                        

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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