Ich bin eine ausgebildete Balletttänzerin. Ich habe Jahre meines Lebens ausschließlich mit Training, Essen, Schmerzbehandlung, Theoriebüffeln und Erschöpfungsschlafen zugebracht. Dafür habe ich dann nach bestandenem Abschluss einen ganz wunderbaren Beruf aufgenommen und bin auch nach Jahrzehnten noch der Meinung, dass es jede schmerzende Muskelfaser wert gewesen ist.

 

Natürlich bringt ein Ballettstudium auch andere tolle Vorteile mit sich. Ich kann problemlos hohe Schuhe tragen (auch wenn ich das eigentlich modisch gar nicht so genial finde), und wenn ich „umknicke“, dann passiert mir gar nichts, denn meine Bänder, Muskeln etc. sind so flexibel, dass ich keine Verletzungen davon trage. Außerdem kann ich alles essen, was ich möchte, ohne mich um Kalorien und Kleidergrößen sorgen zu müssen, denn meine Arbeit und mein Stoffwechsel sind einfach himmlisch im Einklang miteinander.

 

Das schreibe ich aber nicht, um böse Blicke und Neid zu säen (glaubt mir, davon bekomme ich zu diesem Thema schon genug ab), sondern um zu gestehen, dass mein Körper auch nur ein „Mensch“ ist.

 

Meine zweite Schwangerschaft hat mir das deutlich vor Augen geführt. Da stand ich nämlich kürzlich im Wohnzimmer. Meine Babykugel schon sehr mächtig und schwer und plötzlich schießt mir ein siedend heißer Gedanke durch den Kopf:

 

„Ich stehe da wie ein Fragezeichen!!!“

 

Babykeks_Blog_Haltung_Schwangerschaft.jpg

 

Meine wunderbare, hart antrainierte Körperhaltung war einfach nicht mehr existent. Das Gewicht meines Bauches ließ meinen Rücken zu einem Hohlkreuz verkümmern und meine Brustwirbelsäule hatte meine Brüste gemütlich auf meiner Babykugel geparkt. Wie mein Kopf derart „schildkrötenmäßig“ nach vorne wandern konnte, ist mir auch ein Rätsel.

Ich sah meine bemitleidenswerte Haltung in der Spiegelung unseres TV-Gerätes und stieß alarmiert aus:

„Oh nein, jetzt fängt’s an!“

 

Ok, ich gebe zu, dass meine unbedachte Wortwahl meinem Liebsten beinahe Schnappatmung beschert hätte, denn sein erster Gedanke galt wohl eher vorzeitigen Wehen als meiner Haltung, aber als ich völlig deprimiert versuchte, mich „aufzurichten“ und dazustehen, wie es sich für eine Ballerina gehört, setzte er sich wieder erleichtert neben Babykeks auf das Sofa.

 

Seither versuche ich stets, trotz Schwangerschaft, „gerade“ zu stehen und Haltung zu bewahren, aber ihr glaubt kaum, wie unglaublich schwierig das ist. Den Kampf gegen das Hohlkreuz habe ich für mein Baby aufgegeben. Meine Hebamme versicherte mir mehrmals, dass dies normal sei und sich nach der Geburt wieder geben würde. Aber meine Brustwirbelsäule und meine Halswirbel versuche ich dennoch – immer wenn ich daran denke -, schön aufzurichten. Das ist ein ganz schön heftiges Unterfangen, denn ich fühle mich unglaublich schwer, und es bereitet mir große Mühe, „normal“ und aufrecht zu stehen.

 

Fazit: Adios, aufrechte Körperhaltung in der Schwangerschaft.

 

Keine Sorge, ich werde meine Haltung ganz sicher wieder zurücktrainieren, aber soll ich euch etwas verraten? Auch wenn jede Ballerina stets lächelt und Souveränität ausstrahlt, wir spüren dennoch jeden einzelnen Schmerz und das „Hochtrainieren“ zu alter Fitness fällt auch uns verdammt schwer und lässt uns dem inneren Schweinehund gegenübertreten…

 

Das verbuche ich ganz  klar unter Dinge, auf die man in der Schwangerschaft gut und gerne verzichten könnte…

Getreu nach dem Motto

stolpern, aufstehen, Krone richten, lächeln, weiter tanzen… 

Eure Sabrina

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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