Mein Kind, mein Handy und ich

In letzter Zeit häufen sich mal wieder die Artikel, wie schädlich es für die Kinder ist, wenn Mama und Papa ständig am Smartphone hängen. Ich habe auch ein Smartphone und ich nutze es täglich und vor allem häufig.

 

Bildquellenangabe:Tim Reckmann  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Tim Reckmann / pixelio.de

Dass meine Söhne deswegen eine Depressionen entwickeln werden, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Doch als kürzlich in meinem (Offline-)Alltag jemand besorgt äußerte, dass ich ja ständig am Handy wäre, machte ich mir doch etwas mehr Gedanken zu diesem Thema. Ich kam zu dem Schluss, dass, wenn Babykeks versunken in seiner Spielwelt ist & Babykrümel schläft, ich mir durchaus einen Ausflug ins Netz erlauben kann.

 

Ich nutze das Handy für so ziemlich alles: Telefonieren, Chatgespräche, Recherche, Instagram, E-Mails, gaaaanz viele Fotos, Einkaufsliste, als Ersatz für ein echtes Buch, als Musikplayer und Navigator für ganz verzweifelte Irrgänge im Dschungel fremder Orte.

 

Ohne mein Smartphone wäre mein Alltag weniger ereignisreich. Ohne mein Handy wäre ich viel einsamer, viel unwissender und mein geliebter Blog auf jeden Fall viel unbekannter.

 

Dennoch möchte ich mir nicht nachsagen lassen, dass die Zeit am Telefon von der Zeit, die ich mit meinem Kind verbringen könnte, abgeht. Ich bin kein „Vieltelefonierer“, aber wenn mich jemand anruft, gehe ich dran, und das würde ich auch mit dem Festnetztelefon so handhaben. Ich gehe auch dann dran, wenn ich gerade mit Babykeks spiele. Natürlich gibt es Situationen, in denen ich es klingeln lasse, z. B. wenn ich Sohnemann gerade bade oder aber auch Essen auf dem Herd steht, das anbrennen könnte. Ihr seht – man setzt Prioritäten.

 

Ich finde es schön, wenn ich eines der Kunstwerke aus Lego oder Sand von meinem großen Sohn oder Neues vom Baby mit dem Smartphone fotografiere, um sie am Abend dem Liebsten/Papa zeigen zu können. Dafür unterbreche ich unser Spiel, aber das ist ok, denn Babykeks erzählt dann später begeistert mitsamt Bildmaterial, was er alles gemacht hat über Tag. Die Fotokamera aus dem Schrank kramen etc. würde sicherlich mehr Zeit benötigen und Dank meines Handys fange ich viele dieser wunderbaren Momente ein und manche teile ich dann auch gerne mit meinen Freunden und Blog-Lesern.

 

Das Geheimnis, sein Kind vor der bösen Smartphone-Depression zu bewahren, liegt auf der Hand. „Maß und Ziel“.

 

Zu wissen, wann das Kind auch ruhig mal alleine spielen kann, wann eine Pause für einen selbst schlichtweg dringend nötig ist, wann man sich mit anderen Eltern austauschen kann und wann es eben gerade unpassend ist. Gerade als frisch gebackene Mami fühlt man sich oft einsam und aus seiner „alten Welt“ gerissen, da ist es „heilender Balsam“ dank des Smartphones mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben, auch wenn man gerade nicht physisch seine vier Wände verlassen kann.

 

Ich halte es für wichtig, dass Babykeks begreift, was Geduld ist, dass er versteht, dass nicht jeder Wunsch und jedes Bedürfnis sofort gestillt werden können. Dass Mama (Papa) einen kleinen Teil in ihrem Leben hat, zu dem das Kind eben keinen sofortigen Zugang bekommt.

 

Dies alles, wohl dosiert und mit Verstand umgesetzt, lässt mich zur Entscheidung gelangen, dass ich durchaus mein Smartphone in Gegenwart meines Kindes auch weiterhin nutzen werde.

 

iphoneMir ist bewusst, dass es auch Eltern gibt, die ihr Kind tatsächlich durch den Gebrauch des Smartphones vernachlässigen. Das ist traurig und sicherlich irgendwie auch eine Art Hilfeschrei oder Warnsignal. Aber in einer ausgeglichenen Eltern-Kind-Beziehung ist es eigentlich nicht notwendig, sich über den zeitlichen Umfang der Smartphone-Nutzung Gedanken zu machen. Denn man greift nur dann zum Handy, wenn es die Situation zulässt und verantwortlich gegenüber dem eigenen Nachwuchs ist.

 

Ich bin überzeugt, dass die meisten Eltern ihre Prioritäten absolut zum Wohl des Kindes festgesetzt haben und es bei den meisten Familien, wie auch für mich persönlich, keinen Grund zur Sorge gibt.

 

Wie steht ihr diesem Thema gegenüber?

 

                     

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Hi,
    ich bin quasi eine Smartphone-Mama. Ich habe es immer dabei (vor allem für Telegram), insbesondere um damit Fotos zu machen. Klar, luchse ich auch mal in meine Social Kanäle oder Mails, wenn das Kind gerade beschäftigt ist, aber für den Sohn ist das auch ok.

    Bei Familienfeiern des Mannes gilt Smartphone-Verbot, weil die Teenie-Tochter süchtig ist. Das muss auch nicht sein. Mein Recht, Fotos zu machen, fordere ich dennoch auch dort ein.

    Bin also ganz deiner Meinung: in Maßen darf es mich gerne ständig begleiten.

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Ich sehe schon, liebe Sarah, wir sind uns einig 😉
      Und das für einen Erwachsenen andere Regeln gelten als für einen Teenie, halte ich sowieso für eine Wichtige Sache.

      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

  • Oh, interessantes Thema – ich frage mich inzwischen ernsthaft, wie ich das gemacht habe, als ich noch kein Smartphone hatte.. Nein, mal im Ernst, da gab es dann Facebook und Mails eben nur am Computer, Fotos mit der Digicam (die nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt wurde) und ansonsten habe ich mit dem Handy das getan, wofür es vorgesehen war ursprünglich: telefoniert und SMS geschrieben. Natürlich ging das auch, aber was würde mir alles fehlen wenn ich es heute nicht hätte! Was mir mit Abstand am meisten weh tun würde, wären die vielen schönen und niedlichen Momente, die ich nicht mal eben schnell in der Sekunde festhalten könnte ohne Smartphone Kamera. Und wenn es nur die erste Schweinebaumel auf dem Spielplatz ist. Klar ist es wichtig, im Zusammenleben mit Kindern Prioritäten zu setzen und nicht ständig am Handy zu kleben, aber auch hier ist es eben wie mit fast allem: das gesunde Mittelmaß ist der beste Weg. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich ein Smartphone habe für den gegenseitigen Austausch, das schnelle Navigieren, das Fotografieren, das Teilen von schönen Momenten uvm. (Und inzwischen nutze ich es in Verbindung mit meinen Musikdateien und einem kleinen Bluetooth-Radio als Unterrichtsgrundlage für die Playbacks). Vor Kurzem gab es bei der Huff-Post einen Artikel zu dem Thema, hieß „an die Mutter, die auf dem Spielplatz in ihr iPhone starrt“, durchaus lesenswert.
    Liebe Grüße

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