Immer wieder montags kommt hier ein Mann zu Wort: lest wie es  Gastautor Phil weiterhin erging: 

 

 

Vertrauter Feind oder…

Freundschaftlicher Freundestausch

Langjährige Freundschaften sind ein rares Gut. Einer der Hauptgründe dafür sind zahlreiche Veränderungen im Leben, ob beruflich oder privater Natur. Es ist nur eine Sache wie man selbst mit neuen Lebenseinschnitten umgeht, eine ganz andere aber, ob auch die Freunde entsprechende Veränderung mittragen. Ein neuer Job, ein Ortswechsel, eine neue Beziehungen oder das hervorkramen der alten Converse: Viele Veränderung stellen Freundschaften auf die Probe und erst die Zeit zeigt, ob es für die Beteiligten ein Happy End gibt. Sind die freundschaftlichen Banden jedoch stark und beruhen auf Interesse, Vertrauen und Ehrlichkeit, sind diese kaum ins Wanken zu bringen. Da kann selbst die Gefahr einer möglichen Atommacht Nordkorea kommen, am nächsten Tag wird trotzdem in gemütlicher Runde was trinken gegangen.

 

Nordkorea kann als potentielle Freundschaftsbedrohung aber getrost einpacken, wenn ein Baby ins Spiel kommt. Dann scheinen die bisherigen Gesetzmäßigkeiten bei Freundschaften außer Kraft gesetzt. Denn selbst bei vollem Verständnis für die Herausforderung, der sich die jungen Eltern stellen müssen, ändert sich die Freundschaft zu diesen allmählich. Das geschieht meist in zwei zeitlich versetzten Schritten, die Zeit und Raum abdecken.

 

In der ersten Stufe wird es aufgrund vielfältiger neuer Verpflichtungen der frischen Eltern zunehmend schwerer, Zeit mit diesen zu verbringen. Für den befreundeten Kumpel ist die neuartige Zeiteinteilung zunächst vollkommen in Ordnung. Zum einen hat man ja bereits selbst ein Leben das es zu meistern gilt. Wenn das befreundete Ehepaar zudem so ganz nebenbei eine Familie gründet sollte ein wenig Verständnis darüber hinaus das mindeste sein. Außerdem gibt es ja noch das Kommunikationsmittel Telefon, mit dem man sich regelmäßig updaten kann. Eine ernsthafte Bedrohung scheint daher nicht zu existieren. Alles safe also – wenn auch irgendwie nicht so ganz richtig, wie sich später noch zeigt.

 

Bildquellenangabe:Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Auch die zweite Stufe lässt sich mit ihrer Wirkung Zeit – um nur umso härter zu enden. Den Anfang markiert ein Telefonupdate mit der frisch gebackenen Mutter. Hier erhält der Anrufer die Info, dass Jungmama vor Kurzem mit einer neuen Bekannten einen Kaffee trinken war. Besagtes Treffen wird mit „es war echt sehr nett“ positiv bewertet. Auch diese Neuerung ist zunächst alles andere als schlimm. Die Bekannte ist dem Anrufer bislang zwar unbekannt und ihr Name dementsprechend nach drei Sekunden wieder vergessen, aber sie ist ebenfalls scheinbar schon Mutter und so geht ein Treffen natürlich in Ordnung. Auch das Wissen, dass zu hoher Kaffeekonsum nicht förderlich ist, scheint kein ausreichender Grund für Misstrauen zu sein. Im Gegenteil. Man gönnt es der Mama, denn egal wie sich ein Kumpel, der weder verheiratet ist noch Kinder hat, bemühen mag: So ganz kann er die Faszination und Begeisterung hinter dem Mysterium Kind nicht verstehen. Da scheint es sinnvoll, wenn die Jungmutter auch eine Gleichgesinnte zum Austausch hat.

 

Und damit schnappt die tückische Falle zu. Denn zusammengefasst passiert durch besagte Schritte Folgendes: Die für die Freundschaft zur Verfügung stehende Zeit verringert sich, während das verbliebene Zeitkontigent nun von einer zusätzlich Person beansprucht wird – und sich somit noch einmal verkleinert. Ein Volkswirt würde sagen: Eine Reduzierung des Marktes bei gleichzeitiger Zunahme des Wettbewerbs. Und das alles ohne Wenn und Aber des betroffenen Kumpels. Wirklich großartig. Hinzu kommt, dass die neue Bekanntschaft – von nun an „Eindringling“ genannt – über Expertenwissen verfügt, das dem gemeinen Singleman wie schon erwähnt komplett abgeht. Der Betroffene verliert damit zusätzlich an Bedeutung – ein Zustand, der ab jetzt kaum noch zu korrigieren ist. Denn nachträgliche Äußerungen wie „Also weißt du, ich finde das nicht in Ordnung wie sich unsere Freundschaft entwickelt“ erscheinen dabei nicht nur übermäßig sentimental sondern auch völlig deplatziert und würden der Freundschaft in ihrem aktuell empfindsamen Zustand wohl mehr schaden als nutzen.

 

Zum Nichtstun verdammt verkommt man so zum bloßen Zuschauer einer Kettenreaktion gepaart mit exponentiellem Wachstum. Besagter Eindringlich scheint sich mit zunehmender Zeit dabei stets zu verdoppeln. Sei es Kinderschwimmen oder die Schwangerschaftsgymnastik. Ständig schießen neue Individuen aus dem Boden, die zum gemeinsamen spazieren gehen, Kaffee trinken oder der Vertilgung eines 3-Gänge Menüs einladen. Da sich einige der Eindringlinge bereits untereinander kennen vervielfältigen sich die freizeitlichen Aktivitäten zusätzlich. Und so sprießen aus den Trieben der Bekanntschaften unaufhaltsam die ersten Knospen von Freundschaften. Dem beizukommen ist schier unmöglich, verfügt die neugruppierte Desperate Housewifes-Auflage zudem über eine scheinbar nur ihnen zugängliche Sprachkompetenz. Bei Aussprüchen wie „Gaga Gugu“ oder „Putzi Schnutzi“ versteht der gewöhnliche Singleman nur Bahnhof. Nächster Halt: Niemalsland. Anzahl der reisenden Personen: eine. Rückkehr: ungewiss. Na dann los.

 

Sie sehen also. Selbst stabile Freundschaften sind nicht vor allen Veränderungen gefeit – insbesondere wenn solche aus nur wenige Zentimeter großen Würmern resultieren, denen man nur schwer böse sein kann. Ganz so schwarz möchte ich zum Schluss das Bild daher auch nicht zeichnen. Die Tatsache, dass ein Kind Veränderungen mit sich bringt und auch die Freundschaften zwischen Single-Kumpels und Eltern auf den Kopf stellt ist zweifelsohne richtig, aber nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ändert die abnehmende Frequenz in der man sich austauscht nichts an der Intensität der Freundschaft. Auch bei nur noch vierteljährlich stattfindenden Gesprächen spricht man über alles Wesentliche und das gegenseitige Vertrauen weißt bei genauerer Betrachtung ebenfalls keine Kratzer auf. Alles safe also – und dieses Mal auch irgendwie richtig.

Fortsetzung folgt…

 

 

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 Der Autor:

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Lest jeden Montag auf dem Babykeks-Blog, wie ein “kinderloser” Freund die Schwangerschaft seiner besten Freundin “verarbeitet” ;-)

1) Der Anfang vom Ende 

2) Das große Weinen…oder  Verletzlichkeit einer Unverletzlichen

3) Codename: Spontanitätskiller oder „Das Kind ist da!“

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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