Ich habe von den beiden Geburten meiner Söhne meine ganz eigene Erinnerungsversion. Das hört sich für Außenstehende jetzt wohl etwas eigenartig an, aber es gibt keine besseren Worte, um zu beschreiben, wie ich das meine.

Ich erinnere mich an den Beginn der Wehen, die Fahrt ins Krankenhaus, das letzte CTG, die Untersuchungen, das Legen der Zugänge, die Schmerzen, die Erschöpfung und das unglaubliche Gefühl, wenn das Baby sich endlich „nach unten“ bewegt, und natürlich den erlösenden Moment der tatsächlichen Geburt und einfach alles, was drum herum geschehen ist.

 

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Dennoch erzählt mir mein Liebster manchmal noch Einzelheiten, die ich einfach nicht so erlebt habe. Ich muss zugeben, dass mich das verstört. Habe ich mir da etwa Dinge eingebildet? Verdränge ich oder beschönige ich etwa Momente?

 

Wie kann es sein, dass wir beide die Geburt so unterschiedlich erlebt haben?

 

Meine Erinnerungen überwältigen mich noch heute. Alles, was mein Körper plötzlich zu leisten im Stande war, beeindruckt mich nachhaltig, und durch diesen Nebel aus Schmerz habe ich dennoch glasklare Begebenheiten vor meinem geistigen Auge, die mir die Etappen der Geburten in Erinnerung rufen.

 

Selbstverständlich sind die „Geburts-Geschichten“ unserer Söhne bei mir und dem Liebsten sehr ähnlich. Niemand würde auf die Idee kommen, wir hätten nicht dieselbe Situation erlebt. Aber die Kleinigkeiten, die ganz privaten und so unglaublich wertvollen Einzelheiten, die für immer und ewig ausschließlich uns beiden gehören, – ausgerechnet dort hatten wir seltsamerweise Manches ein wenig anders erlebt.

 

Obwohl die zweite Geburt nur vier Stunden dauerte, kam sie mir viel „intensiver“ und teilweise sogar länger vor. Obgleich die erste Geburt ernstzunehmende Komplikationen mit sich brachte, erschien sie mir, als hätte ich bis zum Eintreten der Komplikation die volle Kontrolle behalten.

Nach beiden Geburten habe ich mir vom Liebsten versichern lassen, dass sobald meine Hormone wieder mit mir durchgehen, er mich bitte an die Schmerzen erinnern soll und den darauffolgenden Schlafmangel, damit wir zu dritt bleiben – naja, nun eben zu viert 😉 und plötzlich ertappe ich mich bei Gedanken wie: „Och, die paar Stunden stehe ich schon nochmal durch!“, obwohl – ihr wisst schon…

 

Also stimmt es doch, dass man einiges was sich unter der Geburt ereignet hat, verdrängt – oder?

 

Oder aber auch nicht – denn ich erinnere mich noch immer sehr lebhaft, wie es sich angefühlt hat. All die Schmerzen, aber auch das unbeschreibliche Glücksgefühl und den Stolz, alles heroisch ertragen und geschafft zu haben.

 

Geburten sind schon eigenartige Gefühlszustände. Sie sind kaum in Worte zu fassen, aber man kann ganze Geburtsgeschichten in den Augen einer anderen Mutter nochmal erleben und auch nachempfinden.

 

Eine Geburt ist ein Ausnahmezustand (ganz egal, die wievielte es auch sein mag) und ich glaube, dass es in Ordnung ist, dass man seine ganz eigene, wirklich einzigartige mütterliche Sicht auf sie haben darf und wenn der eine oder andere Moment nicht in der Erinnerung gespeichert wurde, dann ist das ok.

 

Als Mama muss man sich nicht schuldig fühlen, wenn man etwas so nicht mehr weiß, dass der Papa aber noch lebhaft erzählen kann, denn unter all den Schmerzen und den völlig unbekannten Empfindungen, zu denen der Körper in diesem Zustand plötzlich fähig ist, musste der Kopf eine Auswahl treffen, und ich bin absolut überzeugt, dass diese Auswahl intuitiv die richtige gewesen und die Beziehung zu unseren Kindern auf ganz einzigartige Weise zu prägen in der Lage ist.

 

Nicht nur die Kinder sind ein Wunder, auch unser Körper und unser Verstand sind das, denn das Zusammenspiel sorgt dafür, dass wir trotz allem gerne an diese harte Zeit der Geburt zurückdenken.

 

In diesem Sinne, habt keine Angst vor der Geburt! Sie bringt euch an ein nie geahntes Limit und noch ein Stückchen darüber hinaus und es wird sich dennoch natürlich anfühlen und eine unglaublich wertvolle Erinnerung in eurem Leben sein – für immer…

 

Eure Sabrina

                           

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Wie recht du hast. Ich erinnere mich heute immer noch sehr gut an meine Geburt und ich bin genau wie du immer noch total fasziniert und begeistert, was da eigentlich wundervolles passiert ist. Trotz der Schmerzen, habe ich absolut keine negative Empfindungen an diesen Tag und ich fühle auch jedesmal mit wenn andere Mütter von ihrer Geburt erzählen. Der Tag ist ganz besonders und so geprägt in unserer Gefühlswelt, dass wirklich keiner Angst davor haben sollte♥

    Ganz liebe Grüße
    Sina

    • Hi Sina,
      vielen Dank für dein nettes Kommentar. Ich freue mich jedesmal, wenn ich in jemanden ein positive Erinnerung wecken konnte 🙂
      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

  • Ich denke kein Mann kann sich wirklich vorstellen, was eine Frau fühlt, wenn sie ein Kind zur Welt bringt. Ich bin mir aber sicher, dass es viele gibt, die dies gerne können würden.

    • Hallo Wolfgang,
      ja ich könnte mir gut vorstellen, dass du damit richtig liegt. Es gibt aber sicherlich mindestens genauso viele, die froh sind, dass sie genau dies nicht tun müssen – Stichwort: Schmerz 😉
      Vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Herzlichst
      Sabrina

      • @tanzende Mama/ Sabrina
        da stimme ich dir voll und ganz zu, diese Schmerzen kann man sich wirklich nicht vorstellen und genau deswegen wollen das viele auch nicht.

        Als Frau kommt man früher oder später dazu und machen sich auch wahrscheinlich alle vorher Gedanken darüber.

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