Ist euch auch in letzter Zeit aufgefallen, dass sich der Trend wieder ein wenig von der ach so hoch gepriesenen Frühförderung weg bewegt?

 

Als Tanzpädagogin muss ich dieses Thema äußerst vorsichtig behandeln, denn ich selbst gebe sehr viele Kurse mit der Bezeichnung: „Tänzerische Frühförderung“.

 

Allerdings bekommt vielerorts das Kind einen neuen Namen: Aus der gut besuchten Frühförderung wird plötzlich wieder der „Kindertanz“, wohl um dem neusten Gespenst „Förderwahn“ auszuweichen.

 

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Meine persönliche Meinung ist einfach zu verstehen. Meine ersten Kurse für kleine Kinder (mit und ohne Eltern) gab ich, als diese noch als „Tanzunterricht für XY Jahre alte Kinder“ bezeichnet wurden. Dann plötzlich waren meine Kurse als „Tänzerische Frühförderung“ deklariert und nun unterrichte ich gerade „Kindertanz“.

 

Ihr ahnt es wohl schon… egal wie der Kurs hieß, der Inhalt und meine pädagogischen Finessen waren stets die Gleichen.

 

Ich wage zu behaupten, dass dies in sehr vielen Einrichtungen der Fall ist. Ich differenziere hier ganz klar die Häufigkeit, also ob ein Kind fünf verschiedene Dinge pro Woche machen „muss“ oder ob es in einer Sache täglich gefördert wird bzw. einfach einen Kurs besucht, der „Förderung“ in der Bezeichnung aufweist.

 

Ich selbst gehöre zu demnSchlag Eltern, die eine Sache in der Woche für völlig ausreichend erachten. Babykeks wollte gerne Fußballspielen gehen und nun besucht er einen Fußballverein. Es wird wöchentlich zwei Mal Training angeboten, er geht jedoch nur ein Mal die Woche hin und das ist für uns und auch für den Trainer völlig in Ordnung.

 

Gewünscht hätte ich mir für ihn, dass er eine Kampfsportart erlernt, weil ich persönlich das für sehr sinnvoll erachte. Disziplin, Körperkontrolle, Selbstbewusstsein und den Umgang mit seiner Stärke zu erlernen, halte ich gerade bei aufgeweckten und bewegungsfreudigen Jungs und Mädchen für ratsam, aber da gehen die Ansichten auseinander und im Fußballtraining hat Babykeks auch sehr viel Spaß und nimmt sicherlich auch viel Sozialkompetenz und Selbstbewusstsein etc. aus diesem mit.

 

Obwohl er erst vier Jahre alt ist, haben der Liebste und ich ihm diese Entscheidung selbst überlassen. Wenn er etwas älter ist, möchten wir ihn ein Musikinstrument seiner Wahl erlernen lassen. Dann ist er mindestens an zwei Nachmittagen in der Woche „gefordert“ und hat die restlichen Nachmittage genügend Zeit zu tun, was immer er mit sich anzufangen weiß.

 

Sicherlich gibt es Kinder, die unbedingt und von sich aus täglich etwas Bestimmtes tun möchten, und ich halte es für völlig in Ordnung, diesen Wünschen nachzugehen, aber für meinen Vierjährigen reicht ein Fußballtraining und der Kindergarten vorerst völlig aus.

Wie so Vieles in unserer heutigen Zeit wird auch in Sachen „Förderung“ viel mit der Bezeichnung an sich herausgeschlagen. Für uns Eltern ist aber eigentlich nur eines wichtig:

 

Hat mein Kind Spaß bei der Sache und hat der Pädagoge Ahnung von dem, was er da unterrichtet.

 

Wenn beides zutrifft, ist es wohl die beste Förderung, die man sich für sein Kindergartenkind wünschen kann. Um auf das Leben vorbereitet zu werden, muss man sein Kind nicht in Kurse schicken, sondern es ihm schlicht und einfach vorleben. Früher gab es all das nicht und dennoch haben die Kinder ganz herausragende Fähigkeiten erlangt.

 

Wenn ihr also eure Kinder in meine „Tänzerische Frühförderung“ bringt, dann tut dies bitte, weil die Kleinen Spaß haben, zu tanzen, und weil ihr sicher sein könnt, dass ich mein Handwerk verstehe und mit Liebe und Hingabe ausübe. Es gibt keine bessere Förderung als eine, die so richtig Freude bereitet. Dinge, die wir tun müssen, sind nämlich genau das: Nur Dinge, die wir eben tun müssen… Wenn wir etwas gefunden haben, das wir gerne und mit Herz ausüben, dann brauchen wir keine extra Förderung, dann tun wir alles von ganz alleine…

Lasst euch also bitte nicht von Bezeichnungen in die Irre führen…

Eure Sabrina

 

Wer von meinen lieben Bloglesern selbst zu diesem Thema einen Artikel verfassen möchte, ist sehr herzlich eingeladen. Vielleicht wird daraus eine Mini-Blogparade. Wenn Interesse besteht, lasst es mich wissen damit ich Eure Artikel via InLinkz einpflegen kann…

                        

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Ganz toller Post, den ich so voll unterschreibe :-). Die Freude ist das Schlüsselwort und ich finde es toll, dass ihr eurem Sohn die Wahl überlaseen habt, etwas zu tun, was ihm so richtig Spaß macht.
    Ein Punkt, der oft unter den Tisch fällt: Die Versuchung, Kindern zu viel „Förderung“ bzw. Freizeitaktivitäten zuzumuten, kommt vielleicht auch daher, dass die meisten Kleinen noch so begeisterungsfähig sind und offen für verschiedene Dinge. Meine Große (inzwischen 9) hätte während ihrer Kindergartenzeit am Liebsten von Balett über Bauchtanz bis hin zu Klavier, Fußball und reiten so alles mögliche ausprobiert. Weil ich ihr nicht zu viel zumuten und noch genügend Zeit für Verabredungen zum spielen etc. haben wollte, durfte sie sich pro Jahr immer nur 2 Sachen aussuchen. Ganz toll finde ich übrigens das Konzept, das momentan an ihrer Schule praktiziert wird: Die Kids können aus einer Unmenge von „after school activities“ wählen und sich bei ihren Favoriten anmelden – alle 6 Wochen beginnt ein neuer Turnus. So kommen Kinder wie meine Tochter voll auf ihre Kosten. So kann sie sich beim Gärtnern, Kochen, Backen, Tanzen, Schach, Theater, sämtlichen Sportarten und kreativen Tätigkeiten voll austoben ohne dafür jeden Nachmittag ein volles Jahr lang „verplant“ zu sein :-).

    • Liebe Sarah,
      vielen Dank für dein tolles Kommentar! Habt ihr ein Glück mit dieser Schule. Ein super Konzept – hoffentlich werden sich das einige Einrichtungen demnächst abschauen 😉
      Ganz herzliche Grüße
      Sabrina

  • Liebe Sabrina,

    ich fand deinen Post aus Sicht einer Tanzpädagogin ganz toll. Auch einige meiner Kinder wurden schon von tollen Tanzpädagogen begleitet, wofür ich dankbar bin. Deshalb habe ich deine Herausforderung angenommen und einen eigenen Beitrag zum Thema geschrieben.

    Unter http://spielsachentests.blogspot.com/2014/12/fruhforderung-kann-sinnvoll-sein.html könnt ihr alle nachlesen, was ich als vierfache Mutter mit pädagogischer Ausbildung zur Frühförderung denke.

    Ich freue mich auf eure Kommentare!

    Liebe Grüße

    Cecilia

    • Liebe Cecilia,
      dein Artikel ist wirklich absolut gut und ich hoffe sehr, dass viele meiner Leser schnell zu dir hinüber klicken und ihn ebenfalls lesen werden!
      Herzlichen Dank für deine Meinung zu diesem Thema.
      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

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