Der Liebste und ich sind stets darauf bedacht, unsere Kinder so früh wie irgend möglich aus der Kita abzuholen. Wir wollen ihnen die Möglichkeit bieten, auch zu Hause zu spielen und das nicht nur am Wochenende. Wir möchten mit ihnen zusammen sein, ihre Geschichten und ihre Fantasie miterleben und ihnen die Chance bieten, auch außerhalt der KiTa Freundschaften zu pflegen.

 

Das ist mittlerweile aber gar nicht mehr so leicht, in die Tat umzusetzen. Mit einer Mischung aus Kopfschütteln und einem Hauch Verständnis mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass eine Großzahl von Einrichtungen auf eine (Mindest-)Anwesenheitsdauer des Kindes besteht. Es muss zu einer bestimmten Uhrzeit gebracht werden und es wird äußerst ungerne gesehen, wenn das Kind zu unregelmäßigen Zeiten oder gar zu häufig spontan früher abgeholt wird.

 

Es ist nachvollziehbar, dass gerade am Morgen nicht die pädagogischen Unternehmungen durch zu spätes Bringen etc. unterbrochen werden sollen. (Das ist im geliebten Kindergarten des Großen auch so.) Aber wie in unserem Fall, bei einer angefragten Kita (für Unter-2-jährige), haben wir die ernstgemeinte Anweisung erhalten, unser Kind niemals vor 15 Uhr abzuholen, denn da könnte man gerade Spazieren sein, oder Einkaufen oder einfach nicht in der Einrichtung. Die Inflexibilität war für uns ausschlaggebend, unser Kind dort nicht anzumelden.

 

Doch gerade weil viele Eltern auf die Betreuung so sehr angewiesen sind und sie sich häufig eben nicht die geeignetste Einrichtung aussuchen können, schreibe ich diesen Artikel. Denn die Freundschaften außerhalb des Kindergartens unseres Großen schmelzen gerade dahin und das hat schlicht und ergreifend mit der Tatsache zu tun, dass die Eltern gebeten werden, ihre Kinder eben nicht einfach mal so früher zu holen, damit sie ein Spieldate haben können.

 

Ich persönlich finde das mehr als fragwürdig und bin sehr froh, dass uns das noch nie gesagt wurde. Als schwarzer Peter dahingestellt zu werden, weil man endlich mal die Möglichkeit hat, sein Kind früher zu holen, ist schon sehr bedauerlich.

 

Babykeks ist dann also zumeist mit uns Großen alleine zu Hause. Wir Eltern genießen das natürlich, aber ich merke, dass ihm seine „anderen“ Freunde fehlen, die jetzt den ganzen Tag in der Kita bleiben und eben spontan keine Zeit mehr für Treffen haben.

 

Das mag definitiv zur Kategorie „Luxusprobleme“ zählen, aber es hat mich an etwas aus meiner Kindheit erinnert:

 

Michael Ende hat das wunderbare Buch „Momo“ geschrieben. In diesem Buch geht es um das kleine Mädchen Momo, das ganz alleine in einem Amphitheater lebt und von den Menschen in der nahe gelegenen Stadt mitversorgt und geliebt wird. Doch irgendwann kommen die Menschen und besonders ihre Kinderfreunde nicht mehr. Ihre Einsamkeit treibt sie auf die Suche nach einer Antwort.

 

Die Bösewichte der Geschichte nennen sich „Die Grauen Herren“, diese sind Zeitdiebe, die den Menschen die Zeit rauben, um so ihre Existenz zu sichern. Diese grauen Herren haben es geschafft, alle Erwachsenen davon zu überzeugen, all ihre Freizeit sinnvoll in Arbeit und Vorbereitung zu investieren. Leider blieb dabei kaum Zeit für ihre Kinder und diese gaben sie für den gesamten Tag in „die Betreuung“, wo den Kindern „Vernünftiges“ und Lehrreiches beigebracht wird.

 

Noch heute mag ich dieses Buch sehr und es hat mich tief getroffen, als mir bewusst wurde, dass diese (für mich damals) grauenvolle Entwicklung im Buch eigentlich tatsächlich genauso in der heutigen Welt eingetreten ist.

 

Wer heute einfach so spielt, gilt schnell als „verwahrlost“. Ich habe frei spielen dürfen in meiner Kindheit, meine Eltern waren nicht nonstop um mich herum und ich war definitiv nicht verwahrlost. Ich möchte für meine Söhne, dass sie das freie, phantasievolle Spielen niemals verlernen, und hoffe sehr, dass ich mir genug Zeit (neben meiner Arbeit) für sie nehme, damit sie niemals das Gefühl haben, nur „betreut“ zu werden.

 

Kinder brauchen andere Kinder, um zu spielen, zu lernen, zu begreifen.

 

Diese Kinderfreundschaften darf es nicht nur in der kontrollierten Umgebung einer Betreuungseinrichtung geben. Schade nur, dass die Kinder von heute kaum mehr Zeit für Spontanität und Außerordentliches haben.

 

Ich hoffe sehr, das Babykeks (&Babykrümel) ganz bald wieder mehr Freunde finden werden, die auch mal am Nachmittag einfach so den Garten erkunden dürfen, mit anderen Kindern und ohne sich von einem Erwachsenen beobachten zu fühlen (auch wenn der Erwachsene natürlich „nonstop“ auf die Abenteurer aufpasst)…

 

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Geht es euch ähnlich? Seid ihr vielleicht selbst in der Situation, dass ihr zum Geldverdienen viel Zeit mit euren Kids opfern müsst?

Schreibt es mir…

Eure Sabrina

KinerbrauchenKinder

Bild gekauft bei fotolia.de © Robert Kneschke

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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