Irgendwann ist es soweit: Dein Kind macht sich zum ersten Mal ganz alleine auf den Fußweg zu z.B. Oma und Opa. Ab wann ist es in Ordnung, was muss ich als Elternteil beachten? Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf, als es bei Babykeks das erste Mal soweit war.

 

Babykeks ist fünfdreiviertel Jahre alt. Wie alle Kinder kann er impulsiv handeln, aber meistens halte ich ihn für fast schon ein bisschen zu vernünftig für nicht einmal sechs Jahre. Darum beschloss ich, dass es an der Zeit sein würde, ihn das erste Mal ganz allein zu seinen Großeltern laufen zu lassen.

 

Diese Entscheidung traf ich eher aus dem Bauch heraus.

Ich brauchte dringend Eier für die Zubereitung des Essens und ich selbst konnte nicht weg, da Babykrümel selig schlummernd seinen Mittagsschlaf hielt. Mein Blick fiel auf den ruhig mit Lego spielenden Babykeks.

 

Ich beschloss, dass es an der Zeit wäre, mich meinen Ängsten zu stellen und die „Leine“ ein wenig auszuweiten.

 

Ich bat ihn, schnell bei Oma und Opa besagte Eier holen zu gehen. Er murrte ein wenig, zog aber sofort seine Schuhe an und stellte sich vor die Tür. Ich hatte derweilen meine Eltern angerufen und ihnen von meinem Vorhaben erzählt.

 

Babykeks war völlig irritiert, als ich die Tür öffnete, ihm eine Tasche in die Hand drückte und sagte:

>>Bis gleich – denk daran, auf dem Gehweg zu bleiben – ich hab dich lieb.<<

 

Sein Blick war unbezahlbar.

fotolia © tigatelu

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Ungläubigkeit verwandelte sich in einen Blick völligen Erstaunens. >>Geh ich alleine?<< versicherte er sich nochmals der Situation und begann, stolz zu strahlen, als ich nickte. Ich schloss die Haustür und war mir meinem schnell und hart pochenden Herzen mehr als bewusst.

 

An dieser Stelle mag erwähnt werden, dass meine Eltern „um die Ecke“ wohnen und er auch keine Straßen überqueren muss. Im Grunde sind diese paar Meter keine große Sache, aber mein Mutterherz sah das selbstverständlich völlig anders.

 

Da stand ich dann also, versteckt hinter dem Fenster und „spionierte“ meinem großen Sohn hinterher, wie er das erste Mal ganz alleine zu seinen Großeltern lief. Ich duckte mich, als er sich umdrehte und zu unseren Fenstern hochsah, damit ich ihm nicht den Stolz verdarb, den er ganz offensichtlich verspürte.

 

Er sprang glückselig über den Gehweg und schleuderte die noch leere, rote Baumwolltasche übermütig vor und zurück.

 

In diesem Moment ging dann auch meine Befürchtungen mit mir durch und mein Gehirn zeigte mir ein dunkles Auto, in das man meinen Sohn zog, einen Kampfhund, der aus einer Tür stürzte und ihn zerfleischte, während ich ohnmächtig zusehen musste.

Dann geschah etwas, das in mir gemischte Gefühle weckte.

Ich sah, wie mein Vater aus seiner Haustür trat und mein Sohn ihm freudig in die Arme sprang. Sofort stellte sich Erleichterung ein. Jetzt war Babykeks wieder sicher vor „der großen bösen Welt“ und gleichzeitig war ich enttäuscht, dass er seine Mission nicht alleine zu Ende bringen konnte.

 

Doch als ich sah, wie er munter mit seinem Opa erzählte und an dessen Hand zu uns zurückhüpfte, war alles vergessen, und ich gestattete mir ein wenig Stolz über die Tatsache, dass ich es innerlich überlebt habe, meinen Sohn einen sehr großen Schritt in Richtung „Unabhängigkeit“ habe machen lassen.

 

Wann habt ihr eure Kleinen das erste Mal „alleine gehen“ lassen und wie habt ihr euch dabei gefühlt? Erzählt es mir…

Eure Sabrina

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Oh, dieser Moment steht bei uns auch noch an… Sicherlich wird es mir dann ganz genauso gehen wie dir. Für die Mütter sind solche Schritte immer viel schwerer als für die Kinder, die so solz sind, wie „groß“ sie nun schon sind.

    Liebe Grüße Karin

    • Liebe Karin,
      ich wünsche Dir viel Stärke für diesen Moment 😉 und deinem Sprößling viel Freude wenn es soweit ist 😉
      Für uns Mamis ist irgndwie alles immer viel schwerer… aber wir packen das schon!

      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

  • Oh, was war ich damals sorglos, liebe Sabrina!

    Unseren großen Sohn schickte ich mit reichlich drei Jahren unseren Hügel hinunter, mit einem Zettel in der Hand zum Einkaufen in ein kleines Lädchen.

    Ich hab damals (vor 29 Jahren) aus dem Fenster ein Foto gemacht , als er stolz, durch den Schnee stapfend, heimkam.

    Zu DDR – Zeiten hatten viele Mütter nicht mal Bedenken, die Kinder ab (etwa) dem 5. Geburtstag sogar allein in den Kindergarten zu schicken (und nach Hause kommen zu lassen). Unsere beiden Großen gingen auch gemeinsam – ohne Begleitung. Unsere Tochter war 5, der Sohn 6 Jahre. Als der Große in die Schule kam, ging unsere Tochter fast das ganze Jahr lang allein los.

    Und es musste sogar eine Straße überquert werden. Dort fuhren zu dieser Zeit aber nur sehr weinige Fahrzeuge und bei weitem nicht so schnell wie heute.

    Ich kann mich sogar noch erinnern, dass bereits meine Mutter mich allein über mehrere vielbefahrene Hauptstraßen schickte, um Besuch vom Bahnhof abzuholen. Da ging ich auch noch nicht in die Schule. Und ich musste wirklich am Straßenrand (allerdings am Zebrastreifen) auf den Verkehr achten.

    Heutzutage hätte ich auch viel mehr Bedenken als damals, die Kinder allein zum „Tante-Emma“-Laden zu schicken. Die Zeiten sind halt anders. Das allerdings auch später noch etwas ganz anderes passieren kann, haben wir ja mit unserem jüngeren Sohn erlebt…

    Liebe Grüße von elsie

    • Liebe elsie,
      da hast du absolut recht… die Zeiten ändern sich…
      Leider ist „sorglos“ ein Wort, dass wir Eltern uns, zu diesen Zeiten, absolut nicht mehr leisten können. In vielen Dingen ist das wirklich sehr schade.
      Und ja – leider geschehen auch schreckliche Unfälle neben all den schlimmen Taten und ich wünschte, man wäre als Elternteil in manchen Dingen nicht so unendlich machtlos…

      Ganz herzliche Grüße
      Sabrina

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