Manchmal habe ich das Gefühl, dass man in der heutigen Welt nur noch zwischen (zu) dick oder (zu) dünn unterscheidet.

 

Eine überspitze Aussage, dass ist mir absolut bewusst, aber es macht doch häufig den Anschein.

Viele Leute würden behaupten, dass ich es doch gut habe, so (zu) dünn zu sein, und warum ich mich aufrege, aber mal ganz im Ernst – sich immerzu anhören zu müssen, wie dürr man sei, wie krank man aussehe und sich diverse Essstörungen unterstellen lassen zu müssen, ist wirklich nicht in Ordnung.


Ich bin völlig normal für meine Größe! Ich sehe krank aus, wenn ich krank bin oder wenn mein Baby mal wieder alle Stunde wach war in der Nacht, – aber das würden Menschen, die mehr als ich auf die Waage bringen auch….


Überall gibt es mittlerweile „Oversize“-/“große Größen“-Läden und -Abteilungen in renommierten Läden und man mag es sich kaum vorstellen, aber wenn meine „kräftiger“ gebauten Freundinnen shoppen gehen, kommen sie stets mit tollen Kleidern nach Hause. Wenn ich shoppen gehe, gibt es dies und jenes Teil eben nicht in XS und für den Look der Kinderabteilungen bin ich mit Ü-30 schlichtweg zu alt.

54 Tage nach Babykrümels Geburt :-) Ich sag nur: Pilates, Baby! [Damals gepostet via Instagram]

54 Tage nach Babykrümels Geburt 🙂 Ich sag nur: Pilates, Baby!
[Damals gepostet via Instagram]

Als ich Babykrümel geboren hatte, war ich nach 50 Tagen wieder so „schlank“ wie vor der Schwangerschaft.

 

Ich habe dafür NICHTS getan. Nur die Beckenbodenübungen (die aus der Pilates-Klasse), die jedoch JEDE EX-SCHWANGERE empfohlen bekommt. Gerade kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass ein Model nach ihrer Schwangerschaft sofort wieder super schlank war.

Mein Gott – schiebt es auf die Genlotterie, aber lasst doch einfach die Körper Körper sein.

Es gibt leider viele Erkrankungen, die den Körper in eine Extreme treiben können und das ist wirklich nicht lustig, aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann müssen wir einsehen, dass für die meisten „zu dick“-Leute eher Ernährung und Bewegungsmangel die Gründe für ihr Problem darstellen.


Dagegen lässt sich etwas machen – dafür gibt es mittlerweile sogar Hilfe vom Profi. Ich esse, was immer ich möchte und wann immer ich möchte. Mein Beruf hält mich fit und ich mache das mit Leib und Seele – ich habe das Glück, nicht wirklich gerne fettige Dinge zu essen oder völlig närrisch auf Süßkram zu sein, aber dennoch esse ich, wenn ich Lust bekomme von beidem.


Trotzdem nehme ich nicht zu und ihr könnt mir glauben, selbst in der Familie ernte ich dafür verletzende Kommentare, denn einer Dürren darf man alles sagen, während man die Dicken bitte schön in Ruhe lässt, denn das tut ihnen schließlich weh, weil ja keiner freiwillig übergewichtig sein möchte.

Da läuft doch was ganz gehörig falsch!

 

Ich möchte nicht mehr schief angeguckt werden, wenn ich eine riesen Portion im Restaurant verdrücke. Mittlerweile gehe ich nach dem Essen nicht einmal mehr auf die Toilette, um mich den Blicken „Ah – war sie schnell kotzen“ nicht auszusetzen. Das ist schlimm! Richtig schlimm! Und keiner nimmt das ernst…


Ich bitte jeden – inständig –, der diesen Artikel liest, sich einmal Gedanken über diesen Standpunkt zu machen. Sich wirklich in eine dünne(re) Person hinein zu versetzen, die aufgrund ihres völlig normalen Gewichts (Körpergröße etc. pp.) sich solchen Situationen aussetzen muss. Nicht nur gewichtige Personen haben Gefühle, auch Leute wie ich.

Wer von euch hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Bitte teilt eure Meinung mit mir – und bitte, bitte verschont mich mit unangebrachten Anfeindungen – davon bekomme ich genug zu hören, einfach weil ich in die Chips-Schüssel fasse, OHNE ein schlechtes Gewissen zu haben – danke!

Eure Sabrina

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Sabrina

… wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Sabrina, tausend Dank für diese Worte. Da nächste Mal wenn wir uns sehen, muss ich dich dafür einfach Mal drücken! Der Text hätte von mir sein können.

    Ich bin auch so ein Fall und vor kurzem durfte ich nichtmal Blut spenden gehen, weil man dafür mindestens 50 kg wiegen muss – die ich nie hatte. Auch nach der Geburt von Kind zwei nicht. Da hatte ich innerhalb weniger Wochen dreimal Magen-Darm und schon war ich unter Vorgeburtsgewicht (48,5 kg). Ganz schön kacke, wenn untenrum alles schlabbert (außer am Restbauch) und man nur neidische Blicke der andern Mütter ernetet. Hallo! Vollstillen und Magen-Darm ist echt nicht prickelnd und soooo schnell wollte ich auch nicht wieder in die XS.

    Als Dünne kann man anscheindend NIE mitreden, auch wenn man selbst an der Veränderung des Körpers zu knabbern hat, weil die Bauchmuskeln eben immer noch 2 cm weit auseinander sind. Oder der Mini-Busen noch kleiner geworden ist. Man ist dünn und hat bitteschön nicht zu klagen. Ja, und wenn man dann mal erwähnt, dass man in Geschäft XY nichts kaufen kann, weil da die Größen erst ab 36-38 anfangen, ist man einfach nur unmöglich. Wenn Blicke töten könnten.

    Und oh ja – ich kenne das mit der Toilette und den Blicken nach dem Essen. Oder wenn man mal seinen Teller nicht leer isst – uiuiui! Ein Arzt, bei dem ich eine Schilddrüsenüberfunktion abklären wollte, hat mir sogar gesagt, ich wäre wohl Magersüchtig und wenn man´s leugnet erst recht. Damals war ich 14 Jahre alt und es war wie ein Schlag ins Gesicht. Ich hab den halben Tag nur geheult und mich mit Mazbier und Müsli vollgestopft (das setzt an, für alle die´s nicht wissen).

    Ja, auch dünne Menschen haben Gefühle, das kann ich nur bestätigen.

    Liebe Grüße, Marsha

    • Liebe Marsha,
      das musste ich mir einfach mal von der Seele schreiben und es ist so schön, dass ich nicht alleine bin damit. Nicht das ich es schön finde, dass es dir ähnlich „doof“ ergeht, aber zu wissen, das es Leute gibt, die mich tatsächlich verstehen tut einfach gut…

      Ich hoffe, ich konnte mit meinem Artikel einigen Lesern einen Denkanstoß geben…
      Vielleicht magst du ja auch darüber bloggen. Ich würde den Text dann super gerne verlinken…

      Ganz lieben Gruß – fühle dich virtuell zurückumarmt 😉
      Sabrina

  • Nein, du bist damit nicht alleine. Vor meinen 2 Schwangerschaften war ich auch <50kg und ich hab mir genau das Gleiche anhören müssen. Ich wäre ja viel zu dünn, ob ich denn nicht richtig esen würde, doch?, ja dann kann ja irgendwas nicht mit mir stimmen, dein armer Mann, ja also lieber auf ner Dicken schwabbeln als auf ner Dünnen zappeln sag ich ja, …usw. Was ich auch so schlimm fand war das (zumindestens ich) sofort abgenommen habe wenn ich mal durch Krankheit o.ä. zwei Tage nichts gegessen habe aber dann die fehlenden Kilos wieder draufzubekommen hat mich Wochen gekostet. Außerdem hatte ich schon seit jeher viel Oberweite, die ja durch fehlende Körpermasse erst recht zur Geltung kommt. Hass von der Mädelsseite und die Jungs damals…naja ne. Inzwischen bin ich durch die Schwangeschaften bei gut 15kg mehr aber sagen, dass du jetzt wieder Sport machst weil du halt wieder fit werden willst kannst du auch nicht. Da kommen die nächsten blöden Kommentare wie "Wiso denn abnehmen? Warst doch viel zu dürr vorher da willst du doch nicht wieder hin. Deine Probleme will ich haben."
    Egal was du machst – is eh falsch
    Lg Tanya

    • Hi Tanya,
      es ist einfach frustrierend… aber lass dir zumindest nicht auch noch den Sport und die Freude daran nehmen…
      Vielen Dank für deinen Kommentar 🙂

      Herzliche Grüße
      Sabrina

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