Wer mich kennt, weiß, dass ich zu den Menschen gehöre, die sich lieber positiv überraschen lassen, als zu viel „naive“ Hoffnung in etwas zu setzen.

 

Lieber angenehm überrascht als enttäuscht.

So war ich aber nicht immer. Noch heute erkenne ich die Tendenz in mir, in jeder Person sofort „das Gute“ zu sehen. Wie oft habe ich mich schon in vermeintlich netten Menschen getäuscht und bin übel auf die Nase gefallen. Das tat weh und irgendwie schien ich nicht daraus zu lernen.

Langsam, aber sicher hat sich in mir jedoch etwas abgestumpft. Auf den ersten Blick sind noch immer alle neuen Leute toll, aber ich erkenne mittlerweile schnell, ob alles nur Fassade ist, und hinterfrage viel mehr als früher. Das soll jetzt bitte nicht altklug klingen, aber wahrscheinlich kommt die „Weisheit“ eben doch ein bisschen mit voranschreitendem Altern.

 

Ich bin Optimist.

Vielleicht fällt es euch nach den zuletzt gelesenen Worten etwas schwer, das sofort zu glauben, aber ganz ehrlich, wäre ich es nicht, hätte ich wahrscheinlich aufgegeben.

Erst kürzlich beschwerte sich eine Freundin darüber, was für eine kolossale Zeitverschwendung ihre letzte Beziehung gewesen sei. Sicherlich kennt ihr solche Ausrufe von Frischgetrennten auch…

Nur dass ich das nicht mehr so sehe. Wenn ich an meine gescheiterten Beziehungen zurückdenke, finde ich in jeder einzelnen etwas ganz Wunderbares, und heute bin ich sogar soweit, die Trennung, selbst die negativen Umstände, die dazu führen, zu schätzen zu wissen, denn sonst hätte ich niemals das Glück gefunden, das ich jetzt mit dem Liebsten teile.

Ich wüsste all sein Tun gar nicht wirklich zu schätzen und würde wahrscheinlich unrealistischen Romanvorlagen nacheifern und deprimiert sein, wenn diese nicht erfüllt werden würden.

Selbst aus schmerzhaften Todesfällen kann man nach der Zeit der Trauer Gutes ziehen. Die Krebstode meiner Verwandten hielten mich davon ab, zu rauchen oder zu viel zu trinken.

Meine erste Ausbildung in der Chirurgie zeigte mir, wie grauenvoll unverantwortliches Verhalten im Straßenverkehr enden kann, und erinnert mich jedes einzelne Mal, wenn ich in mein Auto steige, daran, vorsichtig zu sein und mit allem zu rechnen.

All das Gelernte, ob durch schmerzhafte Erfahrung oder durch Wiederholung, prägen einen Menschen. Mich haben sie zu einer Person werden lassen, die sehr Vieles tatsächlich zu schätzen weiß.

 

Auf die Erziehung angewendet

Aber was haben all diese Gedanken auf einem Elternblog zu suchen? Ganz einfach! Gäbe es in der Babykeks-Familie nur Positives zu berichten und nur glitzernde, verzaubernde Momente, würde ich diese als solche wahrscheinlich gar nicht mehr wahrnehmen können. Sie wären selbstverständlich und alltäglich.

Aber wenn ich sehe, wie meine beiden Jungs nach einem lauten Streit um ein Spielzeug kurze Zeit später gemeinsam auf dem Sofa kuscheln und sich einen Nachtisch teilen, weiß ich diese Ruhe und Liebe noch mehr zu schätzen.

 

Wenn Mama ausflippt.

Niemand ist perfekt – und ich schon gar nicht. Auch ich werde manchmal laut oder bin schnippisch zu den Jungs, obwohl sie doch nur Kinder sind, die eben kindische Dinge tun. Dann quäle ich mich mit meinem schlechten Gewissen und zweifle an meiner pädagogischen Kompetenz.

Und doch kommen die Beiden am Abend zu mir und kuscheln sich in meine Arme zum Vorlesen. Sie sagen mir, wie sehr sie mich lieben, obwohl ich ihnen kurz zuvor etwas verboten habe, dass sie tun wollten.

Manchmal schreien und toben meine Jungs scheinbar grundlos und ich kann sie kaum beruhigen, doch umso mehr weiß ich die Zeit zu schätzen, in der sie ausgeglichen und vollkommen glücklich zu sein scheinen.

 

Es muss ein Gegengewicht geben.

Wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten – heißt es,  und genauso ist es auch im Leben als Familie. Der Wunsch nach Perfektion und absoluter Harmonie ist völlige Zeitverschwendung.

Ich gestalte mein Leben und das meiner Kinder selbst und da ich ein ganz normaler Mensch bin, gibt es nun mal Licht und Schatten.

Ich weiß die harmonischen Tage so sehr zu schätzen, genieße sie und sauge sie förmlich in mein Herz, denn mir ist bewusst, dass der nächste Sturm bereits am Aufziehen ist.  So ist das Leben, das wird immer so bleiben, und weil ich das akzeptiert habe, bin ich glücklich.

 

Ich wünsche euch, dass ihr das genauso oder ähnlich positiv sehen könnt und möchte euch Mut machen, falls ihr gerade in einer der weniger schönen Phasen feststeckt. Es wird nämlich ganz bestimmt wieder besser und vielleicht sogar so gut, dass euch das Herz überspringt vor Glück und Liebe.

Wie geht ihr mit den schlechten Zeiten um? Und könnt ihr die guten auch wirklich genießen? Verratet es mir im Kommentar.

Liebe Grüße, Eure Sabrina

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Alles hat seine Zeit….Lachen und weinen und es stimmt.Ich versuche immer das Schöne und kleine zu sehen und selbst im „Schatten“dankbar zu sein.Auch hilft es sich auf andere zu konzentrieren.Da merkt man oft das es einem gut geht,das man wertvolle Menschen in seinem Umfeld hat und der Schatten lediglich von kleinen Wolken am blauen Himmel kommt.Ist der Schatten doch größer, gefällt mir folgender Spruch. Hin fallen,aufstehen ,Krönchen richten und weiterlaufen.

    • Ja, dieser Spruch ist tatsächlich häufig sehr passend und mit dieser umsichtigen Denkweise haben deine drei Juwelen, riesen Glück dich als Mama zu haben…

  • Ich versuche mir auch oft zu sagen, dass es ja für alles einen Grund gibt usw. aber gerade wenn jemand stirbt usw, dann ist es total schwer, das zu akzeptieren und wirklich das Gute darin zu sehen.

    • Hallo Kelenta,
      ja, da hast du recht. Schwer ist der Verlust eines Menschens immer!
      Die Überschrift meines Artikels ist aber nicht auf den Verlust eines geliebten Menschens gerichtet. Darum meine Positive Haltung zu vielem was ich aufgelistet habe.
      LG S.

  • Zumindst bis heute habe ich es schwer, mir vorzustellen, dass Dinge wirklich nur passieren, weil sie so sein sollen, wie sie eben sind… Dann müsste man ja auch nicht mehr auf seine Gesundheit achten, weil es sowieso schon einen Grund gibt, wieso man stirbt und der Tag feststeht, egal was man tut. Oder?

    • Liebr Bruno,
      danke für dein Kommentar, auch wenn deine Antwort vermuten lässt, dass du meinen Text nicht gänzlich gelesen hast oder wir beide einfach völlig verschiedene Gedankengänge haben.
      LG. S.

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