Babykeks

Wie ich mich selbst belog und schließlich damit aufhörte

Ich bin berufstätige Mutter. Ich habe ein Kleinkind und ein Schulkind, welche ich gemeinsam mit meinem Mann großziehe. Der Liebste ist, genau wie ich, selbstständig und hat nie wirklich Feierabend. Ein Urlaub ohne mindestens zwei geschäftliche Telefonate am Tag haben wir schon lange nicht mehr. Aber ich möchte mich gar nicht beschweren, denn ich muss nicht alleinerziehend sein, und das weiß ich sehr zu schätzen.

Die Arbeitsbescheinigung

Vor einiger Zeit musste ich meinen Arbeitsnachweis für den Betreuungsvertrag unseres Kleinen erstellen. Die Tatsache, dass ich dies selbst anfertigte, fand ich persönlich schon eigenartig genug, aber dass ich mir wie eine Heuchlerin vorkam, erschreckte mich im Nachhinein.

Da saß ich also und machte mir seit langem das erste Mal wirkliche Gedanken, wie viel Arbeitszeit ich täglich habe, die nicht mit meinen Jungs oder Haushalt, Einkäufen etc. zu tun habe.

Ich war überrascht.  Es vergeht kaum ein Mittagsschlaf, bei dem ich nicht im Kopf die Unterrichtsstunden für die nächsten Tage durchgehe. Kein Tag (und das schließt Samstag und Sonntag mit ein), an dem ich nicht an einen der Schüler denke, wie ich Verbesserungen vornehmen kann oder den Eltern mehr Hilfestellung leiste.

Sind unsere Jungs im Bett, sitze ich stets am PC. Arbeite ich nicht gerade ein wenig für mein Blog, dann durchstöbere ich das Netz auf der Suche nach neuen Ideen für meine Unterrichtsgestaltung. Erledige den Papierkram und führe Protokoll. Neben all den „kreativen“ Dingen, dem Ausdenken der Choreographien oder schlichtweg des Unterrichtablaufs gibt es da natürlich noch einiges mehr.

Freiberufliche Arbeit ist anders, aber dennoch Arbeit

Ich erstelle meine Rechnungen selbst, bin verpflichtet, die Künstlersozialkasse stets auf dem absolut aktuellen Stand meines Einkommens zu halten. Ich mache mir Notizen, die mir helfen, jeden einzelnen Schüler (gerade die ganz Kleinen mit ihren Eltern) in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu dokumentieren, wann und was derzeit aktuell ist. Wie in jedem „Betrieb“ muss meine Dokumentation über jede Rechnung, jeden Vertragsinhalt etc. penibel sortiert und aufbewahrt sein.

Da saß ich also, hatte die Stunden, die ich dazu brauche, zusammenaddiert und war regelrecht geschockt, dass ich mehr als nur einen Vollzeitjob habe. Ich bin eine freiberufliche Tanzpädagogin und leiste genauso viele Arbeitsstunden, wie andere Vollzeit-arbeitenden Mütter.

Der einzige Unterschied ist der, dass ich diese Arbeit meistens am Abend, in der Nacht, während des Mittagsschlafs des Kleinen etc. erledige. Die Stunden, die ich physisch tatsächlich halte, sind meine Kleinen entweder im Kindergarten oder eben bei den Großeltern oder dem Liebsten in Betreuung, denn meine Arbeitszeiten liegen eben sehr außergewöhnlich.

Warum war es mir nur so unglaublich schwer gefallen, diese Arbeitsbescheinigung auszufüllen? Lag es daran, dass die Vorbereitungsphase fast ausschließlich in meinem Kopf stattfand? Oder weil ich meinen Beruf eben nicht von neun bis fünfzehn Uhr ausüben kann?

Vollzeit- Halbzeit – keine Zeit! Arbeitszeit!

Die ganze Zeit hatte ich „Komplexe“, mich als Vollzeit-arbeitende Mutter zu sehen, und das obwohl ich mit/trotz Haushalt und Kindererziehung mehr als genug Arbeitsstunden zusammen bekam. Ich habe mich lange Zeit selbst belogen und mir weisgemacht, das Tanzen und der Unterricht mit den Kindern sind doch ganz einfach und diese mache ich nebenbei…

Aber das stimmt nicht. Meine Arbeit ist ein großer Teil meines Lebens, der mich immerzu begleitet, denn ich nicht um fünf „im Büro lassen“ kann. Er ist immer bei mir. Er ist, genau wie dieses Blog, stets in meinem Kopf, in meinen Gedanken und bestimmt viele meiner Handlungen.

Dass er sich so wunderbar in meinen Alltag integrieren lässt, ist sagenhaft großartig, denn jeden anderen Job hätte ich für meine Jungs aufgegeben.

Ich werde ab sofort aufhören, mich selbst zu belügen. Ich bin eine arbeitende Mutter. Mein Zeitmanagement, meine Betreuungsprobleme, mein Einkommen, meine Ziele, das alles sind reale Dinge, die ich nicht länger kleinreden werde.

Es ist eine Menge Arbeit und manchmal habe ich Phasen, in denen ich fast zusammenbreche und mich frage, ob es das alles wert ist. Und ist es nicht seltsam, dass es ausgerechnet eine selbst ausgefüllte Arbeitsbescheinigung gewesen war, die mir dies alles deutlich vor Augen führte?

Das nächste Mal, wenn ich von einer KiTa-Mama gefragt werde, warum ich denn vormittags immer „zu Hause“ wäre und wieso meine Jungs denn eigentlich einen Ganztagesplatz bräuchten, werde ich nicht mehr mit „Erklärungen“ und verlegenem Lächeln antworten, sondern klipp und klar sagen, dass ich eine 35-Stunden-Woche habe und mehr als froh darüber bin, meine Kinder gut betreut zu wissen.

Sollen die sich doch denken, was sie wollen. Ich liebe meinen Beruf, auch wenn er ungewöhnliche Arbeitszeiten und Arten der Vorbereitung mit sich bringt. Die Tatsache, dass ich dennoch Zeit für meine Jungs habe, ist doch fantastisch!

Schluss mit der Lüge, ich würde die Arbeit nur heucheln. Tanzpädagogin zu sein, ist so erfüllend, so furchtbar anstrengend und so genau das, was ich sein möchte…

Eure arbeitende Sabrina

 

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

7 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Du darfst und sollst stolz auf Dich sein.Du leistest großartiges! Es ergeht Dir wohl ähnlich wie Lehrern oder Dozenten.In den Ferien bzw Semesterferien arbeiten diese auch.Sogar sehr viel.Mein Mann hatte diesen Sommer 1 Woche frei.Aber da vieles im Homeoffice geschieht wird er und auch ein Freund ,welcher im Lehramt arbeitet, oftmals belächelt.Genauso wie Menschen in Ehrenämtern.Sei es Kindergottesdienst,Schwangerschaftskonfliktberatung oder ähnliches…In der Gesellschaft ist diese Arbeit nichts wert.Aber wer soll sie machen?Wer steht Sonntags gerne regelmäßig um sieben auf und macht die Vorbereitung dann wenn andere Freizeit haben.Wer hört sich über Monate die Nöte Fremder an ohne Dank und vor Allem ohne Lohn. .Daher Danke für den Mut es zu Sprache zu bringen.Es gibt viele Formen der Arbeit.Und wer entscheidendet was wertvoll ist und was nicht?!Alles Liebe

    • Liebe M.
      vielen Dank für deine Worte. Du hast recht, leider werden viele Berufe unterschätz…
      Toll, dass Du so aktiv bist in der Gemeinnützigen-Arbeit und schade, dass du nicht gewürdigt wirst. Aber vielleicht ändert sich das in Zukunft. Ich hoffe es sehr!
      Herzlichst S.

  • Perfekt!!!!
    Die meisten denken man schüttelt alles aus dem Ärmel und nur weil ein Beruf Spaß macht und erfüllend ist muss er noch lange nicht weniger gewürdigt werden. Es braucht sogar viel mehr Disziplin als sich jeden Tag nur irgendwohin ins Büro zu schleppen.
    Biete diesen KitaMamas die Stirn, die denken du sitzt den ganzen Tag zu Hause und legst die Beine hoch

  • Selbst Mütter, die „nicht“ arbeiten, haben den ganzen Tag zu tun, nur, dass die sich die Aufgaben besser verteilen können. Keine Mutter sollte sich für irgendwas erklären müssen. Mussten die Frauen doch früher auch nicht. Was ist bloß los in Deutschland?

    • Liebe FRAUAEHRENWORT,
      das frage ich mich auch manchmal. Eigentlich sollte man annehmen, dass jeder, der Kinder betreut, versteht was für eine enorme Leistung dies ist und wie viel man investiert und sogar ein Stück weit von sich selbst aufgibt. Schade, dass es immer noch Mütter gibt, die sich „besser fühlen“ wenn sie anderen das Leben schwerer machen.
      Danke für Deinen Beitrag.
      Herzlichen Gruß
      Sabrina

    • Das Frage ich mich oft auch.Drei Kinder,Haus und der Mann Professor sind die beispielsweise viel Arbeit.Ich war vom Schritt auf Nummer drei sehr überrascht,dass es so enorm War. Wobei 2 und 3 auch nur 14 Monate voneinander entfernt sind die und eher Pseydozwillinge. ICh fördere meine Kinder auch gerne und viel.Mein Grosser kommt momentan bzgl.Schule sehr an seine Grenzen und da benötigt er Hilfe.Diese Bedürfnisse kleine Kinder,Ruhe im Haus zum Lernen und Helfen erfordert viel Weisheit,Ausgeglichenheit und innere Ruhe.Dazwischen diverse Fahrdienste zu Ballett,Eishockey, DLRG Training und Logopädie meiner Kinder. Mein Tag beginnt jeden Tag vor sechs und bis der letzte seine Mama nicht mehr braucht ist mittlerweile fast halb zehn.Oft mache ich dann noch was im Haus oder versuche zu Schreiben….Nachts kommt regelmäßig eine Maus die nicht schlafen kann.Und Sonntags arbeiten wir im Gottesdienst mit.Da klingelt der Wecker spätestens um sieben.Könnte man ja lassen,aber für uns ist das wichtig.Dazu Großeltern mit fast 98 und 87wovon einer ein Pflegefall ist.Ich denke oft,wo bleibt die Zeit.Eltern die an unserem Leben aktiv involviert sind oder Tanten und Onkels haben wir keine.Für mich ist aber schlimm,dass ich zum Fußabtreter wurde.Ich arbeite,ich habe stets ein Wort für Andere,Helfe wenn ich kann und werde dann oft wie ein Harz 4 Empfänger der Arbeitsfaul ist behandelt.Dabei zahlen wir alles selbstsogar unser Haus und Heim und unterstützen noch Menschen in Not.Ja und dann ich habe Zeit hier zu schreiben.Mein kleinster Lütte hat Magen Darm.Spuckt im Stundentakt,hat seinen Schoss auf meinem liegen und ich darf mich ausser zum Eimer hochheben und ausleeren von Ihm nicht entfernenSozusagen.Ich sitze auf der faulen Haut und surfen im Netz.

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