Mama sagt nein!

Es ist halb zehn am Morgen. Um fünf Uhr hat der Große mich mit einem kräftigen Tritt in den Rücken geweckt und leider konnte ich nicht wieder einschlafen. Der Kleine war sowieso um kurz nach halb sechs fit und so beschloss ich, Frühstück zu machen.

Um sieben Uhr vierzig stand ich mit zwei gewaschenen, angezogenen, satten und mehr oder weniger gut gelaunten Kindern vor der Schule und gab einen dicken Abschiedskuss im Schutze einer Hecke, bevor der Große zu seinen Klassenkameraden stürmte.

Vom Jüngsten verabschiedete ich mich kurz nach acht in der KiTa und setzte mich geschafft ins Auto. Ja, geschafft. Mein Tag dauerte bereits über drei Stunden an, in denen ich nur für knapp zehn Minuten am Frühstückstisch gesessen hatte. Ich beschloss, nicht einkaufen zu fahren und optimistisch in Bezug auf die Kühlschrankfüllung und das Nudelreservoir im Schrank zu sein.

Zu Hause kam der Liebste (der am Vorabend von einer mehrtägigen Geschäftsreise zurückgekommen war) aus der Dusche und machte sich fertig für die Arbeit. Ich erledigte zwei wichtige Telefonate, richtete die Hemden für die Reinigung und war kurze Zeit später alleine.

Alleine im Chaos

Da die Jungs die Reise des Papas dieses Mal nicht ganz so gut weggesteckt hatten, war sehr viel Zeit für Vorlesen und Kuscheln von der Haushaltszeit transferiert worden und dementsprechend sah es bei mir zu Hause auch aus. Die Küche hatte keine freie Abstellfläche mehr, was natürlich den noch immer belegten Frühstückstisch erklärte. Die Waschmaschine war noch immer gefüllt, genau wie der Trockner. Der Deckel des Wäschekorbs ging nicht mehr richtig zu und vier Wäschekörbe warteten bereits darauf, absortiert zu werden.

Der Apfel-Salzstangen-Snack vom Vortag war noch immer über den gesamten Boden der Wohnung verteilt und eine klebrige Apfelsaftschorle-Malheur-Stelle im Wohnzimmer hatte ein paar Papierschnipsel vom Basteln am Vortag an sich gebunden.

Ich mag/kann nicht mehr

Meine Augen brannten vor Müdigkeit, als ich mich rasch an den Laptop setzte, um eine wichtige Sache für den Elternausschuss fertigzubekommen, da ich wegen meiner Arbeit sonst keine andere Zeit mehr haben würde. Als dies geschafft war, sah meine Wohnung leider immer noch so aus wie gerade beschrieben. Ich beschloss, mir einen Kaffee zu machen. Vielleicht hatte ich schon erwähnt, dass ich Kaffee wirklich überhaupt nicht lecker finde, aber was tut man nicht alles für Koffein im Blut.

Mit der Tasse in der Hand versuchte ich, das Chaos in der Küche zu ignorieren, was mir nicht sonderlich gut gelang. Außerdem fielen meinem Kopf noch mehr Dinge ein, die ich eigentlich jetzt erledigen sollte.

NEIN!

Und dann geschah es. Ich beschloss, einfach nichts zu tun. Klingt rebellisch – war es auch.

Ich setzte mich mit dem Kaffee auf das Sofa und schaltete mir meine Lieblingssendung an. Ich saß ganze 42 Minuten völlig sinnfrei herum und floh vor den Aufgaben und es war toll.

 

Zurück in der Realität

Als die Sendung zu Ende war, wollte ich eigentlich am liebsten einfach noch eine Folge schauen. Allerdings übernahm mein Verstand wieder und ich räumte zumindest den Frühstückstisch ab, bevor ich mich um ein Teil der Wäsche kümmerte und dann schon wieder losmusste, um den Großen von der Schule abzuholen.

Nach dem Mittagessen (Nudeln mit Pesto rasch vom freigeräumten Herd gezaubert) übergab ich meinen Großen in die Obhut meiner Mutter und ging zur Arbeit.

Als ich am Abend zurück war, wurde ich natürlich von meinen beiden Süßen in Beschlag genommen und sie störten sich kein bisschen am Chaos, das um sie herum herrscht. Als der Liebste später dazu stieß, machte ich Essen und am Ende des Tages sah es um mich herum noch fast genauso schlimm aus wie zu der Zeit, als ich aufgestanden war, aber irgendwie fühlte ich mich trotzdem gut.

 

Vielleicht sollte ich mich einfach öfter mal auf das Sofa setzen und mir einen Vormittag frei nehmen. Doof nur, dass ich selbstverständlich am nächsten Tag alles erledigen musste, was liegengeblieben war und dazugekommen ist.

Tja, als Freiberuflerin weiß ich ja, dass alles an mir hängt, aber manchmal gebe ich mir der Illusion hin, dass ich eines morgens aufwachen werde und die Wohnung durch Zauberhand blitzt und blinkt, meine Kinder nicht ein einziges Mal streiten und der Liebste ganz und gar für mich da sein wird.

Kennt ihr solche Tage und Vorstellungen auch? Erzählt es mir und geht ruhig auch ins Detail.

Für mehr Ehrlichkeit auf Eltern Blogs!

Eure Sabrina

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Liebe Sabrina,
    den Alltagswahnsinn kennt wohl jede Mami. Schön, dass du so offen darüber berichtest! Und du hast genau richtig gehandelt, man stellt die eigenen Bedürfnisse nahezu immer hinten an, aber ab und zu sollte man auch die eigene Seele pflegen;-)
    Liebe Grüße,
    Marina

    • Vielen Dank, liebe Marina,
      es tut gut zu hören, dass andere Mamis ähnlich empfinden. Und ein wenig Bestätigung tut ja bekanntlich jedem gut 😉 Pass auch gut auf dich auf 😉
      Ganz herzliche Grüße
      Sabrina

  • Ja, ich lasse auch mal was liegen, tut in dem Moment gut,aber es rächt sich immer und dieses blöde schlechte Gewissen, warum eigentlich, ich räume mal lieber jetzt schnell auf und höre auf Blogs zu lesen hahaha, Komm gut in die Woche
    Martina

  • Die letzten Tage waren bei uns so.Trotz Wochenende keine freie Minute oder gar Schlaf.Mein Mann und ich waren gestern Abend so erschlagen wie kurz nach der Geburt des Jüngsten.Heute hat er nach Monaten einen TagHomeoffice und wir jubeln.Müssen beide arbeiten und Dinge erledeigen.Aber es fühlt sich besser an.Selten das man als Mutter ohne schlechtes Gewissen was macht.Schon das es Dir gelungen ist!!!!

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