Eltern als Sündenbock für alles?!

Ich sitze mit meiner Familie am Frühstückstisch und wir unterhalten uns. Der Liebste erzählt mir, dass er während der Nachhausefahrt gestern einen Radiobeitrag über eine Studie gehört hat. Diese besagt, dass die heutigen Kinder große Probleme damit hätten, längere Texte zu verstehen, aufgrund der heutigen Medienüberflutung.

Schuld daran sind wir Eltern!

Weil wir Eltern nicht mit den heutigen Medien aufgewachsenen sind, können wir unsere Kinder gar nicht verstehen und wissen auch nicht, wie wir sie unterstützen können.

Bääm! Du bist schuld, dass dein Kind längere Texte nicht sinnerfassend verstehen kann.

 

Kritik über Kritik, aber keine konstruktive

Nun können wir Eltern diesen üblen Punkt ebenfalls auf unser „Versagen-Konto“ hinzufügen. Das Drama mit der Pädagogik ist, dass wir erfahrungsgemäß immer erst hinterher wissen werden, ob wir es richtig gemacht haben.

Für gewöhnlich ist der gute Aspekt einer Kritik, dass wir einen „Fehler“ aufgezeigt bekommen und uns nun daran machen können, ihn zu korrigieren. Doch in diesem Falle sieht es (wie die Studie impliziert) schlecht aus für uns Eltern, denn wir wissen ja nichts über das Problem und die Ursache, weil wir diese ja nie selbst erlebt haben.

 

Lösungsfindung

Wie gehen wir Eltern also nun an die Sache heran? Geben wir von vorneherein auf, denn wir haben ja keine Ahnung, in welche Welt unsere Kinder da hineinwachsen, oder nutzen wir unseren Menschenverstand und überlegen, wie wir unseren Kindern das sinnerfassende Lesen beibringen können?

Es ist schlichtweg nicht möglich, allen Erziehungstipps Folge zu leisten. Ich persönlich versuche, meinen Kindern so gut wie irgendmöglich vorzuleben, was wir Eltern für sinnvoll und lehrreich halten. Vieles entscheiden wir auch aus dem Bauch heraus, weil Situationsabhängigkeit einen großen Einfluss auf die Erziehung unserer Kinder hat.

 

Studien sind wichtig

Es ist sehr gut, dass es solche Studien gibt. Aber die Art und Weise, wie sie uns oftmals präsentiert werden, halte ich für sehr fragwürdig. Mit Anklagen kommen wir nicht weiter. Fakten und Lösungsvorschläge wären eine fantastische Mischung, und wenn es noch keine konkreten Vorschläge gibt, dann doch bitte nicht mit erhobenem Zeigefinger reißerische Benennungen wählen und uns Eltern noch mehr verunsichern.

Eltern tun ihr Bestes. Wir müssen uns von Millionen Ratgebern – schriftlicher wie auch verbaler Art – bombardieren lassen und wissen bereits von Anfang an, dass wir es für die Außenstehenden dennoch nie richtig machen werden.

Darum lasse ich persönlich mich nicht mehr darauf ein. Ich picke mir meine Rosinen aus dem Ratgeber-Dschungel. Schaue, was für mich und meine Familie am besten passt und funktioniert. Kombiniere – probiere aus. Mache Fehler und lerne daraus.

Dies alles mache ich mit so viel Liebe und Zuversicht, wie nur irgendmöglich und spüre, was gut für meine Kinder ist und was nicht.

Fazit

Wenn ich mit meinem großen Sohn, der gerade selbst das Lesen lernt, übe, wundere ich mich häufig darüber, dass er Vieles noch nicht begreift. Ich vergesse kurzzeitig, dass jeder Buchstabe für mich ebenfalls einst ein großes Mysterium gewesen war und dass ich diese Welt des Leseverständnisses selbst erst langsam und mit Geduld erfassen musste. Lesen kann gerade am Anfang sehr frustrierend sein.

Vielleicht brauchen unsere Kinder schlichtweg mehr Zeit und Geduld, die wir ihnen häufig nicht zugestehen. Wenn ich mit ihm lese, dann frustriert es uns manchmal beide, weil es nicht flüssig und spannend vonstatten geht. Eben nicht so, wie ich als Elternteil den Text „perfekt“ vorgetragen und uns so in eine aufregende Welt entführt hätte. Aber genau da sehe ich den Ansatz. Ermutigung, Übung und Geduld. Das brauchen unsere Kinder in allen Lebensbereichen.

Alles auf die neue Art des „digitalen Lebens“, der Medienerziehung zu schieben, ist eventuell gar nicht der richtige Weg. Als ich das Lesen lernte, war mein sinnerfassendes Verständnis auch nicht von Anfang an gegeben, aber es gab noch keine Studie, die meinen Eltern die Schuld daran zuwies.

Ich lasse meinem Sohn noch Zeit und ja, er darf mit dem Tablet spielen, und nein, ich habe deswegen kein schlechtes Gewissen. Denn ich bin der Meinung, dass eine von mir herbeigeführte Balance zwischen Medienkonsum und dem Spielen und Lernen ohne Medien das ganze Geheimnis für eine erfolgreiche Erziehung in diesem Bereich darstellt.

Kurze Attitude-Pose und ab

Sabrina

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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