Kürzlich stieß ich beim Surfen im Netz über einen Artikel , der darlegte, dass Familienstreitigkeiten nachweislich die Entwicklung des Gehirns bei Kindern und Jugendlichen negativ beeinflusst. Die Studie wurde veröffentlicht im Fachblatt NeuroImage und kann hier (engl.) nachgelesen werden.

 

Kinder und Jugendliche, die häufig Streitigkeiten ausgesetzt sind, haben laut Testergebnissen ein deutlich nachweisbar erhöhtes Risiko, an psychischen Störungen zu erkranken.

 

Bildquellenangabe: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

Bildquellenangabe: S. Hofschlaeger / pixelio.de

 

Ich kenne so einige Familien, die ohne Hemmungen (auch laut) vor ihren Kindern streiten, die sich mit üblen Begriffen betiteln und das als völlig normal ansehen. Um zu wissen, dass dies für die Entwicklung der Kinder nicht gut sein kann, braucht man keine Studie, aber es nun doch Schwarz auf Weiß präsentiert zu bekommen, ist traurig, denn es zeigt, dass die Notwendigkeit des Aufzeigens trotz unserer heutigen Gesellschaft nach wie vor dringend gegeben ist.

 

Da ich viel Kontakt mit Familien der unterschiedlichsten Bildungsstände habe, begegnen mir selbstverständlich auch häufig Kinder, die regelrecht abgestumpft sind, wenn Erwachsene ihre Stimme erheben oder das Kind mit (teilweise gewalttätigen) Drohgebärden konfrontiert wird. Das ist meiner Meinung nach sehr beunruhigend und trotz vieler weiterführender Workshops und Gespräche mit anderen Pädagogen fühle ich mich nach wie vor hilflos dieser enormen Probleme gegenüber.

 

Ich bin häufig überrascht, wie abgestumpf Kinder aus „gut gestellten“ und gebildeten Familien bereits sind. Auch hinter den Türen von Herrn Otto Normal in der Neubausiedlung gibt es Streit (nicht nur in „Kriesengegenden“) und manchmal leider sogar Gewalt. Bis das Jugendamt einschreitet, muss es zu einer Eskalation gekommen sein, und somit ist der Schaden am Kind bereits, nicht wiedergutzumachend, angerichtet.

 

Ich sehe, wie überrascht und verunsichert mein Sohn ist, wenn er auf Spielplätzen etc. miterlebt, dass Kinder von ihren Eltern übel beschimpft werden oder sich lautstark am Telefon streiten. Er kennt das von zu Hause nicht und das halte ich für gut so. Mein Liebster und ich streiten sehr selten und wenn, dann nicht vor unserem Kind und immer respektvoll.

 

Mir ist bewusst, dass dies alles wohl eine der unzähligen Negativspiralen ist: Die Kinder lernen von ihren Eltern, also auch das „falsche“ Streiten.

 

Natürlich muss man ganz klar unterscheiden, welche Art Streit hierbei gemeint ist. Seinem Kind vorzuleben, wie man Konflikte löst, ist definitiv sinnvoll und wichtig, aber einander (niveaulos) anzuschreien, Diskussionen ohne gute Argumente zu führen oder einfach nur Vorwürfe und Anschuldigungen herauszuschreien, sollte vor Kindern ein Tabu sein. (Ganz abgesehen davon, dass diese Art Streitigkeiten zumeist zu keinem befriedigenden Ergebnis führt).

 

Als erwachsener Mensch sollte man in der Lage sein, sich so lange zu beherrschen, um seinem Kind (heftigen) Streit unter Erwachsenen zu ersparen. Wenn man das Bedürfnis hat, zu explodieren, dann bitte weit genug entfernt (außer Hör- und Sichtweite), um keine Kollateralschäden herbeizuführen.

 

Es ist hart genug, Babykeks als Unbeteiligtem verständlich zu machen, dass die Person, die auf dem Spielplatz da so brüllt, sich nicht „in Ordnung“ verhält und er keine Angst haben muss, da ich ja bei ihm bin und auf ihn aufpasse. Aber wie verstörend und prägend ist es dann erst für das Kind dieser Person, das gerade von niemanden beschützt wird und ganz alleine mit diesen Emotionen und Erfahrungen umgehen muss.

 

Ohnmacht ist eines der schrecklichsten Dinge, die ich als Elternteil akzeptieren lernen muss…

Bildquellennachweis Artikelbild: findicons.com

                     

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Sabrina

… wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

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