Heute habe ich große Lust, euch ein wenig aus der Ballettwelt zu erzählen. Während meines letzten Jahres am Ballettinstitut hatte ich eine ganz wunderbare Dozentin im Fach „klassischer Tanz“. Sie tanzte lange Zeit selbst als Profi durch Russland, China und Europa und hat mittlerweile ihre eigene Ballettschule eröffnet, geheiratet und wurde Mutter.

 

Bildquellenangabe: Katharina Wieland Müller  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Ihr Unterricht war immer hart. Nach der ersten Übung habe ich schon geschwitzt und nach ihrer Klasse lagen wir alle mit zitternden Muskeln auf dem Boden und haben versucht, zu dehnen, was das Zeug hält, um zumindest ein wenig dem mörderischen Muskelkater zu entgehen. Aber in keinem Semester zuvor habe ich so viel gelernt wie bei ihr.

 

Es kam nicht oft vor, dass sie uns von ihrer Zeit als Profi erzählte, aber wenn doch, dann hing die gesamte Klasse gebannt an ihren Lippen. Eine ihrer Geschichten blieb mir immer am lebhaftesten in Erinnerung, denn sie bescherte mir einen schlimmen Albtraum vor meiner Abschlussprüfung im Bühnentanz.

 

Sie erzählte, dass damals ihre Kompanie den Klassiker Schwanensee aufführte und sie (noch nicht lange dabei) im Corp de ballett tanzte und somit in den vielen unscheinbaren Schwänen unterging im Tanz. Doch ganz unbeabsichtigt stach sie dann doch hervor…

 

Während die Solisten tanzen oder man selbst gerade nicht auf der Bühne steht, hält man sich entweder in der Künstlergarderobe auf oder versucht, sich in den Kulissen so wenig störend wie möglich zu verhalten. In den Pausen kommt entweder der große Kostümwechsel oder eben eine kurze Verschnaufpause, aber man achtet immer darauf, dass die Muskeln nicht kalt werden und man aufs Beste vorbereitet wieder hinaus ins Bühnenlicht tanzt.


 

Ihre Geschichte ging so:

 

Sie wartete mit den „übrigen Schwänen“ darauf, wieder raus auf die Bühne zu gehen, und hatte sich, um nicht auszukühlen, ihren Zipper übergezogen und ihre Beine in Wollstulpen gesteckt. Als dann in der Garderobe ihre Gruppe ausgerufen wurde, warf sie alle Kleidungsstücke zurück auf den Stuhl und stellte sich in den Kulissen auf. Majestätisch tänzelten die Schwäne dann in ihrer unschuldig weißen Pracht auf die Bühne und vollführten ihre Schrittkombinationen. Alle waren absolut synchron und glichen sich wie eine Feder der anderen…

… bis auf meine Dozentin, denn ihr linkes Bein steckte immer noch in einer himbeerfarbenen Wollstulpe.

Man stelle sich vor, wie dies auf das Publikum wirken musste. Die Perfektion des Tanzes, die Anmut der Schwäne und immer wieder blitze diese himbeerfarbene Stulpe auf.

 

Meine Dozentin grinste breit, als sie uns erzählte, wie der Ballettdirektor sie anschließend in der Luft zerrissen hatte. So etwas ist übrigens in ihrer Kompanie niemals wieder passiert…

 

An sich eine super witzige Geschichte, aber in der Nacht vor meiner Abschlussprüfung träumte ich von der Himbeer-Stulpe und erwachte schweißgebadet. Nur gut, dass ich nicht Schwanensee tanzen musste 😉

 

Auf zur Arbeit

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Sabrina

… wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Hahaha, witzige Vorstellung! Aber dass man nachts panisch aufwacht mit Albtraumszenarien, die in der eigenen Abschlussprüfung passieren könnten, habe ich damals auch erlebt… Es hätte schon gereicht, wenn das damals noch Bauchkind Fiona einmal an der falschen Stelle getreten hätte, während ich zitternd mit Akkordeon vor der dicken Kugel auf der Bühne gesessen habe…Es ist aber zum Glück alles gut gegangen und sie war während der gesamten Prüfung so ruhig als wäre sie gar nicht da. Fast schon unheimlich 😉 Fiona guckt jetzt übrigens immer „Kleine Einsteins“ DVDs, da geht es auch viel um Musik, Ballett und Instrumente. Sie macht jetzt immer schon ein paar Positionen nach (also versucht es), wirft mit Begriffen um sich („Arabesque!“) und sagt stolz „Hinter Alien Tschaikotzki“ (Peter Illich…) wenn man die Melodie von Schwanensee ansingt. Zum Knutschen!

    • och wie putzig… tja, früh übt sich – gleich zum Ballettunterricht bringen!
      Ja, Abschlussprüfungen produzieren bekanntlich die besten Alpträume 😉
      Nur gut, dass wir das alles hinter uns haben und super gut, dass Fiona ganz still gehalten hatte damals 🙂

      Herzliche Grüße
      Sabrina

      • …wenn du hier in der Nähe unterrichten würdest, würde ich sie dir sofort bringen. Aber die Ballettlehrerin, die in meinem „heimattheater“, wo ich auch arbeite, Unterricht gibt, ist leider eine ziemlich alte, sehr unsympathische. Erinnert mich immer ein bisschen an die Hexe bei Hänsel & Gretel 🙁

        • oh das wäre schön, wenn Fiona bei mir tanzen würde :-)… aber hey, wenn die Dame schon „alt“ ist, kommt vielleicht bald eine junge, nette Pädagogin ins Theater… Ich wünsche es euch jedenfalls!

          Liebste Grüße
          Sabrina

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