Die andere Geschichte…

An Babykeks dritten Geburtstag ist mir etwas passiert, das man als meinen persönlichen Albtraum schlechthin bezeichnen könnte…

Durch das Babyfon hörte ich Keksilein nach uns rufen. „Mama, Papa kommt und holt mich, ich habe Geburtstag!“. Ich tauschte ein Lächeln mit meinem Liebsten, sprang aus dem Bett und stürmte durch den Flur. Auf halber Strecke traf mein rechter Fuß auf einen Kasten Apfelsaftschorle, der sonst nicht da stand und kickte ihn einen guten halben Meter weiter. Mit dem Gedanken, dass dies ein richtig fieser blauer Fleck werden würde, humpelte ich zu Babykeks, sang sein Geburtstagslied und begrüßte ihn mit Umarmung und Küssen.

Doch als ich ihn mit zu uns ins Ehebett tragen wollte, musste ich schmerzhaft feststellen, dass ich nicht mehr laufen konnte… Der Zeh neben dem kleinen Zeh lag nämlich über diesem und begann, auf sehr beunruhigende Art und Weise, anzuschwellen und zu pochen.

Der Schock darüber, was gerade passiert sein musste, ließ mich den Schmerz vergessen. Mein Liebster übernahm Babykeks und ich begann tapfer zu kühlen. Allerdings war nach ein paar Minuten völlig klar, dass ich zu einem Arzt musste.

Nachdem alle angezogen waren, schnappte ich mir rasch noch ein Geschenk und humpelte hinter meinen beiden Liebsten her Richtung Auto. Wenige Minuten später waren wir dann in der Unfallklinik. Während ich auf der Liege saß und wir auf den Arzt warteten, durfte Keksilein sein erstes Geschenk auspacken. Ich hatte nach dem Buch gegriffen, das dann auch gleich für Unterhaltung und Ablenkung sorgen konnte, während der Wartezeit.

Leider erschien dem Arzt ein gebrochener Zeh wohl nicht so tragisch und nachdem er kurz drauf geschaut hatte, meinte er, das soll sein Kollege nach dem Schichtwechsel erledigen und ging. Das fand ich gar nicht lustig, schließlich hatten wir für zehn Uhr Babykeks‘ Gäste eingeladen und es war schon kurz vor acht. Nichts war zu Hause vorbereitet, außer der Dekoration, die ich am Abend zuvor angebracht hatte. Also musste mein Liebster bei meinen Eltern anrufen, die sich sofort bereit erklärten, mit dem Ersatzschlüssel in die Wohnung zu gehen und schon mal anzufangen.

Um kurz vor neun war ich pampig. Ich bestand darauf, eine  Röntgenaufnahme machen zu lassen, da der andere Arzt diese sicherlich brauchte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir bereits die schlimmsten Szenarien ausgemalt und überlegte, was ich denn nun machen würde, wenn mich alle meine Arbeitgeber gefeuert haben würden. Das Röntgenbild bestätigte meine grausame Befürchtung: Ein „schöner“ V-formiger Bruch.

Zurück im Behandlungszimmer tat sich eine ganze Weile wieder nichts. Wir waren zwar die einzigen in der Notaufnahme und hörten, wie die Ärzte entspannt frühstückten, aber  niemand kam zu uns, um die Sache endlich abzuschließen und sich um meine Verletzung zu kümmern. Um halb zehn – Babykeks‘ Laune war zu diesem Zeitpunkt schon sehr getrübt – platzte mir der Kragen. Ich kletterte von der Liege, humpelte energisch in Richtung der Stimmen und verkündete dann, dass ich sofort damit beginnen werde, Panik zu machen, wenn nicht gleich etwas unternommen werden würde.

Mein Ausbruch trug Früchte und plötzlich erschien der Oberarzt. Er teilte mir mit, dass mein Zeh gebrochen ist und man da nichts machen könnte. Als ich ihm jedoch klar machte, dass Ballett mein Beruf ist, dachte er wohl um, richtete behutsam den Bruch und beauftragte dann eine Schwester damit, mit dem Verbinden anzufangen, während er mir spezielle Laufhilfen aufschrieb, die er (nach ernster Aussage) sonst in so einem Fall nicht verschreiben würde.

Ende der Sache war, ich verbrachte drei Stunden als einziger Patient in der Notaufnahme. Davon gingen ca. 20 Minuten für Transport zum Röntgen, dem Röntgen an sich und dem Zurückschieben in das Behandlungszimmer drauf. Der Oberarzt war keine zehn Minuten bei mir gewesen und die Wundversorgung wurde während der Besprechung mit dem Arzt getätigt.

Ich ärgerte mich fast zu Tode. Den dritten Geburtstag meines Sohnes hatte ich mir so ganz anders vorgestellt. Zwar bekam ich tolle Hilfe von meiner Familie, aber da ich Schmerzen hatte und mein Fuß hochlegen musste, konnte ich Vieles von dem, was ich gerne getan hätte, gar nicht realisieren. Der Tag war überschatten von meinem schlechten Gewissen meinem Kind gegenüber und der nagenden Angst, wie ich das meinen Arbeitgebern erklären sollte.

Jetzt hieß es gut planen, denn mit gebrochenem Zeh kann ich zu Anfang nicht selbst Auto fahren, der Vorfuß-Entlastungsschuh, den ich bekam, beschert mir üble „Schonhaltungs-Schmerzen“, und hätte ich geahnt, dass mein Zeh eine Woche später nochmal gebrochen und gerichtet werden musste, hätte ich dem Klinikpersonal wohl nochmal einen sehr lauten Besuch abgestattet…

Die Ballettlehrerin mit dem gebrochenen Zeh – die kommenden sechs Wochen werden spannend...

 

 

                        

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

8 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Jaja, die lieben Ärzte in der Notaufnahme. Letztes Jahr war ich mit meinem Mittleren mitten in der Nacht wegen schwerer Atemnot in der Kinderklinik. http://kuecheundkinder.blogspot.de/2011/04/ich-packe-meine-handtasche-fur-die.html
    Der Kleine konnte sich kaum aufrecht halten – von den Ärzten war nichts zu sehen. Irgendwann trudelte jemand ein, der meinte, es würde gleich jemand kommen. Auf diesen Jemand wartenten wir noch fast ne Stunde… Das Ende vom Lied – der Kerl hatte einen allergischen Asthma-Anfall! Als sie ihn dann zu Gesicht bekamen (nachdem ich lauthals geschimpft hatte) ging plötzlich alles ganz schnell… grrr!

    • Hi SaMaRia,
      da hast du leider Recht… es scheint immer nur dann zu klappten, wenn man „laut“ wird und einfordernd… Hoffe deinem Kind geht es wieder gut…
      Lieben Gruß
      Sabrina

  • Oh nein, das ist ja schrecklich. und ausgerechnet an seinem Geburtstag 🙁 Wie klappt es jetzt mit seinem Alltag? Kannst du trotzdem unterrichten? Gute und schnelle Besserung!

    • Huhu Vivi,
      naja, der Unterricht läuft ganz gut… Mit den großen Kids klappt alles trotz Bruch nur bei den Kleinen ist es schwierig, da sie mich ja kopieren und dann eben auch alles so nachmachen, als wäre ihr Zeh auch gebrochen… Manchmal recht amüsant aber eigentlich gar nicht gut 🙁
      Ich gebe mein Bestes…

      Liebste Grüße
      Sabrina

    • Dankeschön…
      es heilt (laut Arzt) sehr gut 🙂 Nur der Schmerz ist immer noch sehr störend im Alltag…

      Lieben Gruß
      Sabrina

  • Hallo,
    erstmal gute Besserung. Ich leide mit dir! Hab mir an meinem rechten Fuß auch schonmal 4 Zehen auf einmal gebrochen. Manche sogar doppelt. Die Ärzte meinten zu mir, sie würden nichts machen und ich dürfte ab jetzt nicht mehr ohne Schuhe umher laufen, geschweige denn schlafen. Nur so würden sie gerade wieder zusammenwachsen.
    Das blöde ist allerdings, seitdem brechen meine Zehen mindestens einmal im Jahr. Ein kleiner Stoß reicht aus und zack. Ich hoffe dein Zeh ist gnädiger mit dir! 😉

    Liebe Grüße

    • Hi Tanj,
      vielen Dank für dein Kommentar und gute Besserung für den Zeh der gerade gebrochen ist oder eben bald bricht 😉
      Ich leide mit dir… Meinem Zeh geht es soweit wieder gut, auch wenn ich mich noch nicht auf Spitze damit traue… aber die Zeit heilt ja bekanntlich auch Knochenbrüche 😉
      Ganz liebe Grüße
      Sabrina

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