Betreuung

Im diesem kalten Juni haben sich viele Eltern-Blogger Gedanken über ihre ganz private aber auch allgemeine Betreuungsstituation gemacht, da die liebe testmama dies zum Thema des Monats „unserer“ hoch geschätzten Blogparade gemacht hat.

Betreuung

 

Bildquellenangabe: Dieter Schütz  / pixelio.de

Bildquellenangabe: Dieter Schütz / pixelio.de

 

Vielleicht hat sich schon der ein oder andere unter euch gewundert, weshalb ich zuvor noch nie einen Artikel zur Betreuungssituation in politischer Hinsicht gepostet habe. Generell mag ich es nicht, mich zu Dingen zu äußern, die ich nicht zu 100% verstehe und sind wir ehrlich dieser riesen Wirbel, der gerade um das Thema Familienpolitik gemacht wird ist zum Teil unübersichtlich, umständlich und leider manchmal auch unverständlich.

 

Selbstverständlich bin ich auf dem Laufenden und lese voller Interesse von all den Neuerungen, Erfolgen, Absurditäten und Aufreger, die sich im Netz zu diesem Thema finden lassen. Dennoch betrachte ich (seltsamerweise) alles aus einer gewissen Distanz, die mit meinem Beruf zu tun hat. In meinem ganz speziellen Fall gibt es leider nicht viel, von dem ich profitieren kann gerade wenn es um das Thema Betreuung geht.

 

Ich bin Ballettlehrerin/Tanzpädagogin. Ich arbeite immer dann, wenn die Kinder Freizeit haben. Dies bedeutet, dass ich zumeist um 14.00 Uhr mit meinem Unterricht starte und gegen neun Uhr am Abend zurückkomme.

 

Früher, d.h. vor Babykeks unterrichtete ich mehr als das Dreifache. Am Vormittag gab es Frühförderung in den Kindergärten, mittags die üblichen Kinderklassen und am Abend unterrichtete ich zum Teil bis 22.00 Uhr Erwachsene. Unglaublich wie viel Energie ich damals hatte… Seit es Babykeks gibt, hat sich mein gesamtes Leben verändert und zu Anfang versuchte ich diese Veränderung nicht wirklich in mein Berufsleben vordringen zu lassen. Was im Nachhinein völlig absurd wenn nicht sogar ein wenig dämlich war.

 

Sehr schnell war klar, dass ich mehr als die Hälfte meines Pensums Zurückschrauben müsste. Ganz aufhören war für mich als Freiberufler absolut kein Thema, denn ein Widereinstieg gibt es nicht. Jede längere Abwesenheit bedeutet einen absoluten Neuanfang in jeder Hinsicht.

 

Schon während meiner Schwangerschaft besprachen mein Liebster und ich, wie wir Babykeks` Betreuung während meiner Arbeit regeln würden. Da ich nach „nur“ vier Monaten wieder 50% meiner Tätigkeiten aufnahm, entschied sich mein Mann für satte 10 Monate Elternzeit. Es war die perfekte Lösung. Er gründete in dieser Zeit die Basis seiner Firma und verbrachte den Rest damit sein Sohn zu verwöhnen. Wir waren fast ständig zusammen. Wenn ich arbeitete, kam er mit unserem Baby mit (ging spazieren etc.), damit ich in den Pausen zwischen den Stunden stillen konnte. Es war der Traum einer jeden kleinen Familie. Doch als die Elternzeit zu Ende war, musste die Fortsetzung unseres Plans ins Rollen gebracht werden.

 

Meine Mutter freute sich riesig über die Möglichkeit sich an den Nachmittagen um ihren Enkel zu kümmern und ging glanzvoll in ihrer Rolle als Oma und „Halbtages-Mutter“ auf. Ohne sie hätte ich meinen Beruf sofort an den Nagel hängen müssen und dafür werde ich ihr ewig Dankbar sein. Babykeks hat bei meinen Eltern immer ein gefühltes zweites zu hause.

 

Babykeks & Oma

Babykeks & Oma

 

Dennoch gab es Probleme. Das größte Problem war ich. Meine Gedanken und mein ausgelaugter Körper. Nachts nicht schlafen und tagsüber mein Baby bespaßen, danach mit den Tanzmäuschen tanzen, was ebenfalls eine körperlich sehr anstrengende Sache ist.

 

Ich reduzierte mein Pensum noch weiter. Mittlerweile gebe ich nur noch an drei Tagen in der Woche je vier Unterrichtsstunden und gebe ehrlich zu, dass ich dennoch manchmal am Abgrund balanciere.

 

Meine Arbeitszeiten sind nicht kompatibel mit Tagesmüttern, Ganztagsplätzen in Kindergärten und später auch nicht mit einem Hort. Babykeks hat einen Ganztagesplatz in unserem absoluten Favoriten-Kindergarten bekommen. Hier  könnt ihr diese nervenaufreibende Zitterpartie nachlesen. Und so sieht die Zukunft in Sachen Betreuung in der Babykeks-Familie aus…

 

Ich werde meinen Beruf sehr stark zurückstellen müssen und versuchen mehr Vormittagskurse zu bekommen, um am Nachmittag für Babykeks da sein zu können.

 

Bald wird er ein Schulkind sein und ich möchte nicht eine Stunde nachdem er heim gekommen ist zur Arbeit gehen müssen und ihn erst wieder zum Frühstück am nächsten Tag sehen. Auch meiner Mutter möchte ich das auf lange Sicht nicht weiterhin „zumuten“. Auch ihre Freizeit leidet unter meinem Wunsch, sich beruflich zu verwirklichen.

 

Drei Jahre hat das alles super gut geklappt. Drei Jahre, die ich sehr zu schätzen weiß. Aber jetzt sagt mir mein Verstand, dass es eine neue Art der Betreuung für Babykeks geben muss und diese heißt: Mama.

 

Jetzt, da all meine „Mama-Freunde“ langsam wieder in ihren Beruf zurückkehren, stehe ich vor der großen Entscheidung dem meinem den Rücken zu kehren.  Ich habe meinen Traum vom Ballett zum Beruf gemacht und bald werde ich diesen Beruf gegen meinen Traum eintauschen Mutter zu sein.

Ich hätte es definitiv schlechter treffen können 😉

 

Meine Meinung zum Thema Betreuung:

Betreuung ist für unglaublich viele Familien ein riesiges Thema und eines habe ich sehr schnell begriffen. Die perfekte Lösung gibt es leider nicht; und jeder sollte sich davor hüten vorschnell über die Betreuungssituation der anderen zu urteilen, denn gerade bei diesem Thema scheint es kaum Flexibilität bzw. Spielraum zu geben und ganz gleich wie pädagogisch wertvoll die Betreuungs-Art/Einrichtung ist, jedes Elternteil wünscht sich nichts sehnlicher, als sein Kind in guten Händen zu wissen, wenn die eigenen Hände keine andere Wahl haben, als zu Arbeiten. 

 

Quelle: testmama.de

Quelle: testmama.de

                              

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

12 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Liebe Sabrina, Jetzt weiß ich, was du meintest mit deinem Konmentar bei mir: ganz genau gleich, wie bei so vielem anderen auch 🙂 Irgendeinen „Minuspunkt“ muss er ja haben, der schönste Beruf der Welt. Und das ist bei unserem Beruf eben die Arbeitszeit, die sich in den meisten Fällen nicht optimal mit der Kinderbetreuung vereinbaren lässt. Ein Hoch auf unsere Mamas!!!

    • Hi Vivi,
      ich bin auch immer wieder überrascht, wie ähnlich wir es in so vielen Dingen haben 🙂 Aber eine Sache ist definitiv und absolut richtig. Mamas sind wirklich die Allerbesten 😉

      Liebe Grüße nach Berlin aus der (nassen) Pfalz…
      Sabrina

  • Zoe ist jetzt rund ein Jahr vor der Einschulung (*schluck* so viel Zeit ist schon vergangen???) und kann sich problemlos morgens (zwischen meinem Arbeitsanfang im Homeoffice und ihrem Kiga-Start) und Nachmittags (wenn Mama mal den Zug verpasst hat und ich sie vom Kiga einsammeln muss) ein oder auch zwei Stunden alleine beschäftigen: Sie sitzt am freien Schreibtisch neben mir und malt oder beschäftigt Kuscheltiere, Fillys oder puzzelt oder oder oder. Ich kenne Deine räumlichen Gegebenheiten nicht (und ehrlich gesagt war ich auch noch nie bei Zoe’s Ballettunterricht, weil der genau in meine Kernarbeitszeit fällt), aber kannst Du nicht Kind und Unterricht verbinden? Natürlich nicht bis spät Abends, aber vielleicht ein wenig.

    • Hallo Sebastian,
      Paradoxerweise ging es „früher“ tatsächlich, Sohnemann mit zum Unterricht zu nehmen, doch das hat sich geändert. Er beschäftigte sich mit seinen Spielsachen und hielt zum Teil bis zu vier Unterrichtseinheiten tadellos durch. Doch je älter er geworden ist (nun fast vier) desto schlimmer wird es für ihn. Er möchte das ich mich um ihn kümmere und nicht um „fremde“ Kinder, er muss gespielt häufig zur Toilette, hat Durst, Fragen etc.
      Leider habe ich auch jedesmal ca. 30 Minuten Anfahrt zu „meinen“ verschiedenen Ballettschulen und das erschwert das vorzeitige Abholen für evtl. Sitter. Da an meinen Arbeitstagen mein Unterricht jedesmal bis 20 Uhr geht, bin ich darauf angewiesen das er abgeholt wird und das ist schwierig, gerade wenn mein Mann geschäftlich unterwegs ist.
      Im Notfall nehme ich ihn natürlich mit – ganz klar – aber je größer er wird desto weniger Spaß hat er dabei.
      Was früher für ihn super toll war (Musik, Bewegung, andere Kinder, großer Spiegel etc.) zeigt ihm heute nur all zu deutlich, dass Mama mit anderen Kindern Spaß hat wenn sie arbeitet und er mich nicht alleine für sich hat.
      Tja, vielleicht ändert sich das auch mal wieder – ich würde mich freuen, ihn hin und wieder mitnehmen zu können.
      Leider sehen es auch viele der Balletteltern nicht gerne, wenn ich mein Kind mitbringe. Sie befürchten der Unterricht leide darunter. Aber es sei auch angemerkt, dass es ebenso ganz tolle Balletteltern gibt, die damit kein Problem haben und mich häufig nach Babykeks fragen. Da ich aber freiberuflich arbeite und mir die Ballettschulen nicht gehören, muss ich es natürlich „allen“ recht machen und das fällt mit Kind am Arbeitsplatz (als Regelfall) leider schwer. Meine Auftraggeber sind jedoch allesamt super aufgeschlossen dieser Sache gegenüber und ich weiß, dass ich mein Söhnchen im Falle eines Falle jederzeit mitnehmen darf…

      Ich freue mich, dass du dir darüber Gedanken gemacht hast und möchte mich für deinen Kommentar bedanken 🙂 Spontan fiel mir auch dazu ein, dass ich auffallend häufig, von verschiedenen Eltern, gehört habe, dass Mädchen sich lange/länger mit sich selbst beschäftigen können, wenn es darauf ankommt. Ich bin mal gespannt wann es bei meinem Jungen so weit ist. Ob dies eine Art Geschlechter-Merkmal ist oder schlichtweg Charakter vermag ich absolut nicht zu sagen, aber es wäre sicher spannend das herauszufinden 😉

      Lieben Gruß
      Sabrina

      • Oh, dafür sind Jungs aber immer brav, zicken nicht rum, machen keinen Unsinn und räumen freiwillig brav ihr Zimmer auf. Zumindest glaube ich daran, solange ich nur Töchter habe 😀
        Auf jeden Fall entfällt bei Jungs die leidige Frage „Welches Kleid ziehe ich heute an? Was oben drunter? Was unten drunter? Welche Strümpfe? Welche Schuhe? Und Schminke brauchen sie später auch nicht (auch wenn in Zoe’s Kiga letztens ein Junge mit lackierten Fingernägeln rumlief) 🙂

        • Ach, lieber Sebastian,
          leider muss ich dich desillusionieren. Sohnemann weiß ganz genau, was er unbedingt an diesem oder jenen Tag anziehen möchte und WEHE das gewünschte Spiderman Shirt (oder was auch immer er gerade mag) ist in der Wäsche, dann folgt ein Trotzanfall der Extraklasse… 😉
          Ich versuche es stets mir Humor zu nehmen… 😉 Aber im „rumzicken“ stehen Jungs den Mädels um nichts mehr nach…

          Lieben Gruß
          Sabrina

          • Nein nein, das glaube ich nicht! Ich bewahre meine kleine, perfekte Illusion. Sollten wir nochmal entscheiden, einen weiteren Beitrag zur Arterhaltung zu leisten und sollte es dann ein Junge werden, DANN und nicht früher lasse ich mich desillusionieren 😀

  • Ja, so hat jeder damit zu kämpfen, alles unter einen Hut zu bekommen. Deine Übelregungen und Regelungen sind voll und ganz nachvollziehbar. Ich denke auch, dass du für Dich bzw. für Euch die richtige Lösung finden wirst und damit auch glücklich und zufrieden leben kannst … irgendwie findet sich immer ein Weg…auch wenn man manchmal erstmal schwer schluckt und schliesslich seine Mutter-Rolle nicht vernachlässigen will.

    Ganz toll find ich übrigens, dass Babykeks so eine tolle Zeit mit seiner Oma haben darf 😉 Da beneid ich euch drum 😉

    LG Bibi

    • Hallo Bibliotta,
      vielen Dank für deine zuversichtlichen Worte 😉 Auch ich weiß meine Mutter als Sitterin sehr zu schätzen und bin sehr überzeugt, dass wir bald die für uns perfekte Art der Betreuung finden werden.

      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

  • Ja mit Oma und Opa kann man (wie früher) familienintern viel regeln. Schade nur, dass manche Rentner so wenig Rente bekommen, dass Sie sich etwas dazuverdienen müssen und so vielleicht nicht immer für die Enkelkinder einspringen können.

    Eine sichere und ausreichende Rente, könnte so bestimmt die ein oder andere Betreuung hinfällig machen!

    Grüße
    Mario

    • Hallo Mario,
      ja da sprichst du ein wahres Wort. Oma und Opa mit Zeit zu haben, ist ein wahres Luxusgut geworden heutzutage…

      Lieben Gruß
      Sabrina

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