Ein heikles Thema, das bei vielen Verbänden und sogar beim Gesetzgeber zu Kontroversen führt.

Heutzutage sieht man sehr häufig kleine Mädchen (/Jungs) und sogar schon Babys mit durchstochenen Ohrlöchern.

Ich selbst bekam als Kindergartenkind Ohrlöcher und weiß noch genau, wie sehr ich sie mir gewünscht hatte, wie schrecklich das Stechen an sich verlief und dass ich heute der Meinung bin, Ohrlöcher nicht unbedingt zu brauchen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bezieht eine klare und deutliche Stellung und warnt vor dem Stechen von Ohrlöchern bei Kindern.

Dennoch kenne ich einige Kinderarztpraxen, die selbst Ohrlöcher stechen. Nach deren Philosophie: um hygienische Standards zu gewährleisten und den Kindern keine Piercing- und Tätowierstudios „zumuten“ zu müssen.

 

Die Europäische Vereinigung für professionelle Piercings (EAPP) spricht sich allerdings ebenfalls gegen Eingriffe bei Jugendlichen unter 14 Jahren aus (um es zu verdeutlichen: ab Säuglingsalter bis einschließlich dem 13ten Lebensjahr). Jugendliche ab dem 14ten Lebensjahr werden nur dann „gepierced“ (also Ohrlöcher stechen lassen), wenn eine schriftliche Genehmigung der Eltern vorliegt. Am liebsten ist den Verbandsmitgliedern jedoch, dass beim Vorgespräch die Eltern mit anwendend sind.

 

Selbst die Heilpraktiker haben einen eigenen Standpunkt dazu und raten generell von durchstochenen Ohren ab. Wichtige Energiebahnen laufen durch diese Stellen am Ohr und der gestochene Schmuck stört den natürlichen Fluss.

 

Im Internet finden sich selbstverständlich viele Meinungen in unzähligen Foren, die sogar vor Worten wie: >>Körperverletzung!<< nicht zurückschrecken und Eltern, die aus eigenem Willen ihre Kinder schmerzhaft aufhübschen, heftig verurteilen.

 

„Jeder Eingriff in den intakten Körper eines Kindes ist problematisch.“

sagt der BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann der Nachrichtenagentur dpa. Das Beschneiden von Jungen war schließlich auch von den Eltern abgesegnet und führte zu großem medialem Aufsehen, unterschiedlichen Meinungen und Gerichtsverhandlungen.

Der Gesetzgeber hat noch kein gültiges Urteil für „das Ohrlochstechen“ bei unter 14-Jährigen getroffen. Allerdings gibt es schon einige Klagen von Eltern, die mit dem Stechen nicht zufrieden waren. Ein Gerichtsverfahren am Amtsgericht Berlin-Lichtenberg prüft sogar die Strafbarkeit beider Parteien: die des Piercing-Studios und der Eltern, nachdem ein 3-jähriges Mädchen beim Ohrlochstechen traumatisiert wurde.

 

BKB_Ohrlochstechen

 

Eine Pro- & Contra-Liste

in dieser Angelegenheit zu erstellen, ist wahrscheinlich wenig hilfreich, denn wenn die Eltern für das Stechen sind und das Mädchen (oder der Junge) sich das so sehr wünscht, steht dem Körperschmuck (noch) nichts im Wege.

Die Contra-Liste dagegen weist so Einiges vor:

  • Der Ohrschmuck birgt die nicht zu unterschätzende Gefahr, vom Kind verschluckt zu werden. Auch können sich Kleinteile lösen, wenn die Kinder am Schmuck „herumspielen“.
  • Allergien! Nickelhaltige Ohrstecker (auch solche, deren Oberflächen nickelfrei deklariert sind, da mit Lackierung überzogen) können Allergien auslösen, die nicht reversibel sind.
  • Das Ohrloch stechen an sich. Die Ohrlochpistole ist eine verbreitete, aber nicht empfehlenswerte Methode. (Tatsächlich ist das Stechen mit einer sterilen Nadel vom Profi/Arzt schonender.) Ohrlochepistolen können nicht (wie z.B. medizinische Werkzeuge) sterilisiert werden. Krankheitserreger können daher in die offene Wunde eindringen.

 

Eltern aus meinem Bekanntenkreis, deren Kleinkinder bereits mit gestochenen Ohrlöchern ausgestattet sind, halten diese Kontroversen für überflüssig oder sogar Schikane. Häufig hörte ich das Argument, dass die Kleinen sich ja so nicht mehr an den Schmerz erinnern würden und der Ohrschmuck schließlich ein Herzenswunsch des KINDES gewesen sein (bei Babys mehr als fraglich).

Mit Schmerz ist stets das Stechen an sich gemeint. Schmerzen bei Entzündungen, die durch den Ohrschmuck ausgelöst werden können (auch lange nach dem Stechen), werden zumeist gar nicht erst als Argument akzeptiert.

Ich persönlich muss mich mit meinen beiden Jungs derzeit diesem Problem nicht stellen. Aus eigener Erfahrung teile ich jedoch die Meinung, dass die Kinder mit Eintritt ins Erwachsenenalter (18 Jahre) selbst entscheiden sollten, und solange ihr, sich im stetigen Wandel befindlichen Körper und Psyche noch nicht ausgereift sind, diese Entscheidung vielleicht besser nicht treffen sollten und die Eltern die Unversehrtheit von Körper und Geist bewahren und schätzen sollten.

Wie steht ihr zu diesem schwierigen Thema? Habt ihr vielleicht schon Kinder mit Ohrlöchern? Wie war das Piercen an sich und würdet ihr es wieder tun/zulassen? Empfindet ihr das Stechen bei den Kleinsten tatsächlich als Körperverletzung?

 

Ich bin schon sehr gespannt auf eure fairen und niveauvollen Kommentare.

Eure Sabrina

 

                                    

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Sabrina

... wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Ich finde auch das Ohrlöcher Piercen bei Säuglingen und Kindern eine Körperverletzung ist. Die Eltern entscheiden einfach über den Kopf den Kindes hinweg über etwas was das Kind nie wieder rückgängig machen kann.
    Es ist was was niemand braucht und sowas von unnütz ist das es meiner Meinung nach keinem Kind zugefügt werden sollte.

    • Liebe Krähenmama,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Vielleicht magst du ja selbst einen Artikel zum Thema verfassen. Ich würde mich freuen…

      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

  • Ein wirklich ernstes Thema, das du hier mit dem Artikel aufgreifst. Mir war bisher garnicht bewusst, das Ohrlöcher tatsächlich schon in so jungen Jahren gestochen werden können. Letztendlich müssen das alle Eltern mit sich selbst ausmachen, aber ich würde bei meinem Kind derartige Sachen auch nicht über deren Kopf hinweg entscheiden wollen.

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