Ich bin Mama und weiß so gut, wie unangenehm dieses Gefühl ist, eine sich schließende Tür zu sehen, durch die gerade das eigene Kind gelaufen ist. Diese miese Tür versperrt dir den Blick auf das kostbarste in deinem Leben, du weißt nicht wie es deinem Kind geht, ob es sich fürchtet, ob es lieber in deiner Nähe sein würde, ob es gleich Spaß haben wird oder Zwang empfindet.

Als Tanzpädagogin bin ich die Person, die mit deinem Kind hinter dieser Tür sein wird und ich möchte dir ein wenig deine Besorgnis nehmen.

 

Darum tanzt dein Kind besser alleine

In über zehn Jahren Berufserfahrung kann ich eine Sache sicher bestätigen. Sobald ein Elternteil im Tanzraum mit dabei ist, agiert das Kind nur noch für diese Person. Die kleinen Tänzer achten weder auf die Gruppe noch auf mich als Lehrerin. Jede Bewegung wird nur noch für „Mama“ getanzt. Auf diese Weise lernt das Kind aber leider überhaupt nichts mehr.

Manche Kinder trauen sich auch nicht aus sich heraus zu gehen, wenn Mama/Papa im Raum ist. Das hat nichts mit der Bindung zum Elternteil zu tun, sondern ist manchmal schlichtweg eine Charaktereigenschaft. Manche Kinder verlieren diese, für manche bleibt sie bestehen. Das müssen wir Eltern so akzeptieren.

Da eine Unterrichtsstunde auf vielen Tänzern besteht, ist auch stets der Fall gegeben, dass eines der anderen Kinder Angst vor den fremden „Eltern“ hat oder haben könnte, dass es befangen ist oder sich gar schämt. Diesem Kind wird der Spaß und vor allem das Sicherheitsgefühl genommen. Ich als Pädagogin habe die Aufgabe genau das zu verhindern und ich persönlich nehme diese Aufgabe sehr ernst.

 

Du möchtest etwas sehen für dein Geld

Selbstverständlich kann ich gut verstehen, dass du etwas für den Monatsbeitrag sehen möchtest, den du entrichtest. An dieser Stelle muss man sich als Elternteil jedoch in Geduld üben. Den Lernfortschritt kann man mit mir gerne bei einem kurzen Plausch während des Klassenwechsels besprechen. Ein eigenes Bild darf man sich dann bei der Aufführung machen, für die die Kleinen fleißig üben.

Zusätzlich habe ich „Vorführ-Stunden“ eingeführt. Das ist fast immer die letzte Stunde vor den großen Ferien. Auf diese Stunde bereite ich meine Schüler wochenlang vor. Wir proben unsere zu zeigenden Schritte, wir erzählen, wer denn zum Zuschauen kommen wird und nehmen so die größten Ängste weg. Je nach Altern gibt es vielleicht sogar eine kleine Choreographie und wenn ausnahmslos alle damit einverstanden sind, wird am Ende sogar ein Gruppenfoto erlaubt. Manchmal ist die Vorfreude auf etwas die schönste Art der Freude. Verdirbt dir das nicht, in dem du heimlich durch den Türspalt spitzelst.

Die erste Stunde möchtest du miterleben

Als Mama verstehe ich voll und ganz, dass du dein (kleines) Kind nicht in die Obhut eines Wildfremden-Menschen geben möchtest. Außerdem magst du dir sicherlich ein Bild davonmachen, wie es um die pädagogische Kompetenz des Lehrers steht. Du willst sehen, wie dein Kind auf diese Tanzlehrerin reagiert. Das macht dich zu einer guten Mutter/Vater. Deshalb ist die Schnupperstunde für Mama/Papa auch die einzige Stunde, in der du zusehen darfst und dein Kleines nocht begleitest. Aber du musst verstehen, dass dies kein Dauerzustand werden darf. Auch wenn dein Kind nach der dritten Stunde immer noch gerne hätte, dass du dabeibleibst, muss ich als Tanzpädagoge auch Rücksicht auf die übrigen Kinder und deren Bedürfnisse nehmen.

Und ganz ehrlich – die aller meisten Kinder gucken zwar ein wenig traurig, wenn Mama tatsächlich geht, aber sobald die Musik an ist, ist Mama auch schon vergessen. Die Wahrheit tut uns Mamis manchmal ein wenig weh, ich kenne das…

 

Danke das du denkst

Zuletzt muss ich sagen, dass ich es toll finde, wie viel Anteil die meisten Eltern am Lernfortschritt ihrer Kleinen nehmen möchten. Zum Tanzunterricht gehört so viel mehr als nur das Schrittmaterial. Die Kinder testen die Fähigkeit ihrer Motorik aus, sie erhöhen ihre Sozialkompetenz in der Gruppe, sie werden mit zum Teil neuen Gefühlen und Emotionen wie z.B. Erfolg, Gruppendynamik, Neid, Anspruch an sich selbst, Stolz etc. in Berührung kommen und sie werden daraus lernen und mit neuen Fähigkeiten nach Hause kommen. Ihre Kreativität kennt in diesem jungen Altern buchstäblich keine Grenzen.

Sicherlich werden sie zu Hause davon erzählen und sie werden vormachen und falls nicht, dann sprich die Tanzpädagogin an und lass es dir von ihr berichten. Jeder gute Pädagoge geht in seinem Unterricht ganz individuell auf jedes seiner Schützlinge ein.

Und danke, dass du immer daran denkst, dass es bei dieser Sache nicht um dich geht, sondern um den Spaß und die Entwicklung deines Kindes.

Anmutiger Ballettknicks und ab

Deine Sabrina

***

Bildquelle Artikelbild: pixabay (Skitterphoto Rudy and Peter Skitterians  •  Groningen/The Netherlands)

Bildquelle Ballettschläppchen: pixabay (gardenews Romina Cib)

Wenn dir diese Erklärung „geholfen“ hat, würde ich mich sehr freuen, wenn du meinen Artikel teilst, likest etc.

Dankeschön <3

sharing is careing

BITTE PINNE MICH 🙂

***

Mehr zum Thema findest du in der Kategorie „Tanzpädagogik“.

Hier plaudere ich beispielsweise ein wenig aus dem Ballettlehrerinnen-Nähkästchen:

„Meine Mama bezahlt dich“ 

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Über die Autorin alle Artikel der Autorin anschauen

Sabrina

… wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Genau so, doch ich befürchte da sind immer wieder Mamas die das nicht einsehen :-/
    Ich bin ja jetzt schon seit 8 Jahren „Ballett-Mama“ und was ich da alles erleben musste spottet jeder Beschreibung und genau das Gegenteil passierte gerade, denn in der letzten Stunde vor den Ferien sollte den Eltern die Möglichkeit geboten werden zuzuschauen und es haben sich tatsächlich nur 2 angemeldet zum zuschauen, der Rest war „verhindert“, nun ja, die Mädels sind ja auch schon groß, nur werde ich jetzt nicht zuschauen können im neuen Semester, denn Louisa wechselt in die höhere Gruppe. So bin ich weiterhin gespannt und hoffe auf eine Aufführung 😉
    Natürlich gleich gepinnt – habe ja ein Board „Ballett“ und gleich lass ich es bei fb raus <3

    • Hi Martina,
      ja, es gibt tatsächlich immer mal wieder Momente „vor“ dem Ballettsaal, die mich innerlich mit den Kopf schütteln lassen. Aber die Tanzmäuse sind immer eine Freude.
      Tausend Dank für den Pin <3
      Herzliche Grüße
      S

  • Vielen Dank für den Blick auf die andere Seite der Tür! Als „Ballett-Mama“ ist es toll zu lesen, dass die Gründe alle so gut und richtig sind, dass man nicht mit rein sollte. Jetzt verstehe ich es noch besser und freue mich, wenn mein Kind Spass hat und dabei auch noch was lernt.
    Bei uns gibt es ein Fenster in der Tür und manchmal ist die Jalousie daran auf und wir Mamas können ein wenig zuschauen.

    Lieben Gruß | Barbara

    • Liebe Barbara,
      vielen Dank für Deine Seite 😉 Ich freue mich sehr über Deinen Kommentar 🙂
      Ganz liebe Grüße ins wunderschöne Wiesbaden…
      Sabrina

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