Als Tanzpädagogin lernt man ständig neue Kinder kennen. Manche begleitet man im Unterricht über Jahre hinweg und einige nehmen nur an ein paar Kursen teil und verschwinden wieder aus meinem Leben.
Obgleich mir bewusst ist, dass es ein wenig unprofessionel erscheinen mag, manche Kinder besonders ins Herz zu schließen, kann ich schlichtweg nichts dagegen tun.
 

Bildquellenangabe: Gerd Altmann/Hintergrund:Hans Braxmeier / pixelio.de

 

Einige dieser kleinen Menschlein sprechen mich einfach besonders an. Selbstverständlich achte ich wirklich sehr darauf, absolut kein Kind „bevorzugt“ zu behandeln, aber dass mir das eine etwas lieber ist als das andere kann ich einfach nicht leugnen.

Man sagt, dass Kinder sehr genau spüren, ob man sie mag oder nicht, und ich bin überzeugt, dass dies zutrifft. Wenn ein Kind mich nicht mag oder ich – zwar sehr selten, aber doch schon einmal – mit dem Charakter des Kindes nicht so gut kann, erledigt sich das Thema meist von selbst, ganz gleich wie viel Mühe ich mir dennoch mit dem Kind gebe.
  
Kinder sind sehr direkt und sagen sofort, ob ihnen der Unterricht und der Lehrer gefallen oder eben nicht. 
  
Für mich ist es stets mit etwas Herzschmerz verbunden, wenn eines der Kinder geht, und natürlich ganz besonders, wenn eines derjenigen geht, die ich richtig gerne gemocht habe.
Mit Beginn der Herbstferien in Rheinland-Pfalz endeten einige meiner Kurse und ich war gezwungen, mich von wenigen meiner lieb gewonnenen Schützlinge zu verabschieden. Gründe hierfür können sein: Ganztagesbetreuung, Umzüge, Geschwister oder auch aus finanzieller Notwendigkeit heraus…
  
Noch zu Beginn meiner Karriere fielen mir solche Abschiede wirklich sehr schwer. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es gelingt mir, diese Erfahrungen nicht „mit nach Hause“ zu nehmen, sondern sie als das zu sehen, was sie sind: Ein Teil meiner beruflichen Tätigkeit.
  
Die Kleinen werden so schnell groß und wenn ich ihnen dann zufällig irgendwo begegne, wird mir bewusst, dass ich das Kind eigentlich gar nicht mehr kenne. Es hat einige Jahre gedauert, bis mir dies bewusst wurde, aber es hat mir geholfen, den Abschiedsschmerz so gering wir möglich zu halten.
  
Mein Beruf hat mir beigebracht, Abschied zu nehmen. Er hat mich gelehrt, mit dem zufrieden zu sein, das ich erreicht habe in der Zeit, die ich mit dem jeweiligen Menschlein hatte. Und obgleich ich schon viel besser geworden bin, spüre ich nach wie vor ein kleines Stechen in meiner Brust beim „Mach’s gut“-Sagen…
  
Abschiedsschmerz gehört zum wunderschönen Beruf der Tanzpädagogin eben dazu. 
                                 

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Sabrina

… wurde Anfang der 80iger Jahre in der schönen Pfalz geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Liebsten und ihren beiden Jungs (*2009 & *2014) wohnt.
Sie hat ihr Hobby Ballett zum Beruf gemacht und lebt als Tanzpädagogin ihre Leidenschaft.
Mit Leib und Seele ist Sabrina Bloggerin und nimmt ihre Leser gerne ein Stück mit auf ihrer Reise als Mutter, engagierte Freiberuflerin und ambitionierte Frau.

6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Hallo Sabrina,
    ich habe diesen Artikel gelesen und bin jetzt irgendwie traurig… Ich kann gut verstehen dass es nicht immer leicht ist Abschied zu nehmen. Umso mehr freue ich mich, dass wir auch weiterhin an einem deiner Kurse teilnehmen können! Wäre echt schade wenn der Kurs nicht weiter bestehen würde…
    Liebe Grüße
    Elke

    • Hi Elke,
      ich bin auch froh, dass ihr so treue Seelen seid… aber wie gesagt irgendwann muss man sich eben verabschieden und irgendwie gewöhnt man sich daran…
      Ganz lieben Gruß
      Sabrina

  • Oh Gott, ja, du sprichst mir – wie so oft – aus der Seele! Es passiert nicht besonders häufig, aber wenn, tut es mir jedes Mal ein bisschen weh, wenn ein sehr guter Instrumentalschüler aufhört. Besonders, wenn das Kind mit Tränen in den Augen vor mir steht und sagt, es dürfe nicht weiter machen, weil die Eltern es nicht erlauben 🙁 Das zerreißt mir auch heute noch das Herz. Aber wie du schon sagst, das gehört zu unseren Berufen eben dazu. Und der Stolz, wenn man nach ein paar Jahren auf die Leistungen und die Entwicklung der dabeigebliebenen Schüler guckt, ist doch Entschädigung dafür, dass man auch manchmal Abschied nehmen muss, stimmt’s? 😉

  • ich hab dieses Jahr Abitur gemacht und als wir uns auf der Bühne bei der letzten Ballettvorstellung von meiner Lehrerin verabschiedet haben – es war der Horror. Aber weinen musste ich dann in der wirklich letzten Ballettstunde, ich habe bei ihr nur 5 jahre getanzt, aber sie war eben für mich auch mehr als eine Ballettlehrerin, Abschiede sind wirklich scheußlich…
    Liebe Grüße 🙂

    • Hi Charlotte,
      wer weiß, vielleicht nimmst du ja irgendwann nochmal Unterricht bei ihr. Solange man Gesund ist, ist Ballett für jedes Alter etwas… und ich bin ganz sicher, deine Ballettlehrerin würde sich riesig freuen dich wiederzusehen 😉
      Herzliche Grüße
      Sabrina

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